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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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zur

zweite» Auflage des B«chs der Lieder.

Diese neue Ausgabe dcS Buchs der Lieder kann ich dem übcrrheinischenPublikum nicht zuschicken, ohne sie mit freundlichen Grüßen in ehrlichster Prosazu begleiten. Ich weiß nicht, welches wunderliche Gefühl mich davon abhält,dergleichen Vorworte, wie cS bei Gcdichtesammlungen üblich ist, in schönenRhythmen zu versificiren.

Seit einiger Zeit sträubt sich etwas in mir gegen alle gebundene Rede, undwie ich höre, regt sich bei manchen Zeitgenossen eine ähnliche Abneigung. ESwill mich bedllnken, als sei in schönen Versen allzuviel gelogen worden, unddie Wahrheit scheue sich, in metrischen Gewänden zu erscheinen, e

Nicht ohne Befangenheit übergebe ich der Lesewelt den erneuerten Abdruckdieses Buches. Es hat mir die größte Ucberwindung gekostet, ich habe fastein ganzes Jahr gezaudert, ehe ich mich zur flüchtigen Durchsicht desselben ent-schließen konnte. Bei seinem Anblick erwachte in mir all jenes Unbehagen,das mir einst vor zehn Jahren, bei der ersten Publikation, die Seele beklemmte.Verstehen wird diese Empfindung nur der Dichter oder Dichterling, der seineersten Gedichte gedruckt sah. Erste Gedichte! Sie müssen auf nachläßigcn,verblichenen Blättern geschrieben sein, dazwischen, hie und da, müssen welkeBlumen liegen, oder eine blonde Locke, oder ein verfärbtes Stückchen Band,und an mancher Stelle muß noch die Spur einer Thräne sichtbar sein . . .Erste Gedichte aber, die gedruckt sind, grell schwarz gedruckt, auf entsetzlichglattem Papier, diese haben ihren süßesten, jungfräuliche» Reiz verloren, underregen bei dem Verfasser einen schauerlichen Mißmut'h.

Ja, es sind nun zehn Jahre, seitdem diese Gedichte zuerst erschienen, undich gebe sie wie damals in chronologischer Folge, und ganz voran ziehen wiederLieder, die in jenen früheren Jahren gedichtet worden, als die ersten Küsse derdeutschen Muse in meiner Seele brannten. Ach! die Küsse dieser gutenDirne verloren seitdem viel von ihrer Glut und Frische! Bei so langjähri-gem Verhältniß mußte die Inbrunst der Flitterwochen allmählig verrauchen:

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