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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
558
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sterben. Wäre der Kampf nicht schön gewesen, und dazu hätte es mir einerandern Ocrtlichkeit bedurft, wo man die Republikaner hätte zerstreuen undsangen können hätte sich Heine über sie lustig gemacht. Was Brutus ge-than würde Heine verherrlichen so schon er nur vermag; würde aber einSchneider den blutigen Dolch aus dem Herzen einer entehrten jungen Räche-rin ziehen, die gar Bärbelchcn hieße, und damit die dummträgen Bürger zuihrer Selbstbcfreiung stacheln er lachte darüber. Man versetze Heine indas Ballhaus, zu jener denkwürdigen Stunde, wo Frankreich aus seinemtausendjährigen Schlafe erwachte und schwur, es wolle nicht mehr träumener wäre der tollheißeste Jakobiner, der wüthendste Feind der Aristokraten undließe alle Edellcute und Fürsten mit Wonne an einem Tage niedermetzeln.Aber sähe er aus der Rocktasche des feuerspeienden Mirabcan, auf deutscheStudenten-Art eine Tabackspfcife mit roth-schwarz-goldncr Quaste hervor-ragen dann Pfui Freiheit! Und er ginge hin und machte schöneBcrse aufMaric-Antoinettcns schöne Augen. Wenn er in seinem Buche die heiligeWürde des Absolutismus preist, so geschah es, außer daß cS eine Ncdc-Nebungwar, die sich an dem Tollsten versuchte, nicht darum, weil er politisch reinenHerzens ist, wie er sagt; sondern er lhat es, weil er athcmrcincS Mundesbleiben möchte, und er wohl an jenem Tage als er das schrieb einen deutschenLiberalen Sauerkraut mit Bratwurst essen gesehen.

Wie kann man je dem glauben, der selbst nichts glaubt? Heine schämt sichso sehr etwas zu glauben, daß er Gott denHerrn" mit lauter Initialbuch-staben drucke» läßt, um anzuzeigen, daß es ein Kunstausdrnck sei, den er nichtzu verantworten habe. Den verzärtelten Heine, bei seiner Sybaritischcn Na-tur, kann das Fallen eines Roscnblattcs im Schlafe stören; wie sollte er be-haglich auf der Freiheit ruhen, die so knorrig ist? Er bleibe fern von ihr.Wen jede Unebenheit ermüdet, wen jeder Widerspruch verwirrt macht, dergehe nicht, denke nicht, lege sich in sein Bett und schließe die Augen. Wo giebtes denn eine Wahrheit, in der nicht etwas Lüge wäre? Wo eine Schönheit,die nicht ihre Flecken hätte? Wo ein Erhabenes, dem nicht eine Lächerlichkeitzur Seite stünde? die Natur dichtet selten, und reimet niemals; wem ihreProsa und ihre Ungereimtheiten nicht behagen, der wende sich zur Poesie. DieNatur regiert republikanisch, sie läßt jedem Dinge seinen Willen, bis zur Reifeder Misscthat, und straft dann erst. Wer schwache Nerven hat, und Gefah-ren scheut, der diene der Kunst, der absoluten, die jeden rauhen Gedankenausstreicht, ehe er zur That wird, und an jeder That feilt, bis sie zu schmäch-tig wird zur Misscthat.

Heine hat in meinen Augen so großen Werth, daß es ihm nicht immergelingen wird sich zu überschätzen. Also nicht diese Selbstüberschätzung macheich ihm zum Vorwurfe, sondern daß er überhaupt die Wirksamkeit einzelner