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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
556
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vernehmen, die (können die Todten im Grabe erröthen?) ja, ich kanndem Verstorbenen diese Beschämung nicht ersparen: er hat sogar ans Bestech-lichkeit hingedeutet. . .

Schöne, süsse Ruhe, die ich in diesem Augenblick in tiefster Seele empfinde!Du belohnst mich hinreichend für Alles was ich gcthan, und für Alles wasich verschmäht ... Ich werde mich weder gegen den Vorwurf der Indifferenz,noch gegen den Verdacht der Feilheit vcrtheidigen. Ich habe eS vor Jahren,bei Lebzeiten der Jnfinuanten, meiner unwürdig gehalten; jetzt fordert Schwei-gen sogar der Anstand. Das gäbe ein grauenhaftes Schauspiel . . . Pole-mik zwischen dem Tod und dem Exil! Du reichst mir auS dem Grabe diebittende Hand? . . . Ohne Groll reiche ich Dir die mcinige. . . Sich, wieschön ist sie und rein! Sie ward nie besudelt von dem Händedruck des Pö-bels, eben so wenig wie vom schmutzigen Golde der Volksfeinde. . . ImGrunde hast Du mich ja nie beleidigt... In allen Deinen Insinuationenist auch für keinen Louisd'or Wahrheit!

Die Stelle in Börne's Pariser Briese», wo er am unumwundensten michangriff, ist zugleich so charakteristisch zur Bcurthcilung des Mannes selbst,seines Stylcs, seiner Leidenschaft und seiner Blindheit, daß ich nicht umhinkann, sie hier mitzuthcilen. Trotz des bittersten Wollens war er nie imStande mich zu verletzen, und Alles was er hier, so wie auch in den erwähn-ten Artikeln des Reformatcurs, zu meinem Nachtheil vorbrachte, konnte ichmit einem Gleichmache lesen, als wäre es nicht gegen mich gerichtet, sondernetwa gegen Ncbukodonosor, König von Babylon, oder gegen den Kalifen Ha-run-al-Raschid, oder gegen Friedrich den Großen, welcher die Pasquille aufseine Person, die an den berliner Straßenecken etwas zu hoch hingen, vielniedriger anzuheften befahl, damit das Publikum sid besser lesen könne. Dieerwähnte Stelle ist datirt von Paris den 25. Februar 1833 und lautet fol-gendermaßen:

Soll ich über Hcinc's französische Zustände ein vernünftiges Wort ver-suchen? Ich wage es nicht. Das fliegenartige Mißbehagen, das mir beimLesen des Buches um den Kopf summte, und sich bald auf diese, bald auf jeneEmpfindung setzte, hat mich so ärgerlich gestimmt, daß ich mich nicht verbürge ich sage nicht für die Richtigkeit mcinxs Urthcils, denn solche anmaßlichcBürgschaft übernehme ich nie sondern nicht cinmal für die Ausrichtigkeitmeines Urtheils. Dabei bin ich aber besonnen genug geblieben, um zu ver-muthen, daß diese Verstimmung meine, nicht Hcinc's Schuld ist. Wer sogroße Geheimnisse wie er besitzt, als wie: in der dreihundcrtjährigcn Un-menschlichkeit der Oesterreichischen Politik eine erhabene Ausdauer zu findenund in dem Könige von Baicrn einen der edelsten und geistreichsten Fürsten,die je einen Thron geziert; den König der Franzosen, als hätte er das kalte