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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
549
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Forster gestorben. Den Frciheitsfrcunden, die in Deutschland blieben, Warees aber noch weit schlimmer ergangen, wenn nicht bald Napoleon und seineFranzosen uns besiegt hätten. Napoleon hat gewiß nie geahnt, daß er selberder Netter der Ideologie gewesen. Ohne ihn wären unsere Philosophen mit-sammt ihren Ideen durch Galgen und Nad ausgerottet worden. Die deut-schen Freiheitsfreunde jedoch, zu republikanisch gesinnt, um dem Napoleon zuhuldigen, auch zu großmüthig, um sich der Fremdherrschaft anzuschließen, hüll-ten sich seitdem in ein tiefes Schweigen. Sie gingen traurig herum mit ge-brochenen Herzen, mit geschlossenen Lippen. Als Napoleon siel, da lächeltensie, aber wchmüthig, und schwiegen; sie nahmen fast gar keinen Thcil an dempatriotischen Enthusiasmus, der damals, mit allerhöchster Bewilligung, inDeutschland cmporjubcltc. Sie wußten, was sie wußten, und schwiegen.Da diese Republikaner eine sehr keusche, einfache Lebensart führen, so werdensie gewöhnlich sehr alt, und als die Juliusrevolution ausbrach, waren nochviele von ihnen am Leben, und nicht wenig wunderten wir uns, als die altenKäuhe, die wir sonst immer so gebeugt und fast blödsinnig schweigend umhcr-wandcln gesehen, seht plötzlich das Haupt erhoben, und uns Jungen freundlichentgegen lachten, und die Hände drückten, und lustige Geschichten erzählten.Einen von ihnen hörte ich sogar singen; denn im Kaffcehause sang er uns diemarsciller Hymne vor, und wir lernten da die Melodie und die schönen Worte,und es dauerte nicht lange, so sangen wir sie besser als der Alte selbst; dennder hat manchmal in der besten Strophe wie ein Narr gelacht, oder geweintwie ein Kind. Es ist immer gut, wenn so alte Leute leben bleiben, um denJungen die Lieder zu lehren. Wir Jungen werden sie nicht vergessen, undeinige von uns werden sie einst jenen Enkeln einstudircn, die jeht noch nichtgeboren sind. Viele von uns aber werden unterdesscn verfault sein, daheimim Gefängnisse, oder auf einer Dachstube in der Fremde. "

Obige Stelle, aus meinem Buche cks (sie fehlt in der deutschen

Ausgabe) schrieb ich vor etwa sechs Jahren, und indem ich sie heute wiederüberlese, lagern sich über meine Seele, wie feuchte Schatten, alle jene trostlosenBetrübnisse, wovon mich damals nur die ersten Ahnungen anwehten. Esrieselt mir wie Eiswasscr durch die glühendsten Empfindungen und mein Lebenist nur ein schmerzliches Erstarren. O kalte Winterhölle, worin wir zähne-klappernd leben! ... O Tod, weißer Schneemann im unendlichen Nebel,was nickst Du so verhöhnend!

Glücklich sind die, welche in den Kerkern dcr Hcimath ruhig hinmodcrn. . .denn diese Kerker sind eine Heimath mit eisernen Stangen, und deutsche Luftweht hindurch und der Schlüsselmcistcr, wenn er nicht ganz stumm ist, sprichter die deutsche Sprache! ... Es sind heute über sechs Monde, daß keindeutscher Laut au mein Ohr klang, und alles was ich dichte und trachte, klci-