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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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niedrigsten Verrichtungen, z. B. jenes Glied, weichem die höchste Mission, dieFortpflanzung der Menschheit, anvertraut ist, dient auch zum

Diejenigen, welche über die Dunkelheit Hcgcl'S klagen, werden ihn hierverstehen, und wenn er auch odigc Worte nicht cdcn in Beziehung auf Israelaussprach, so lassen sie sich doch darauf anwenden.

Wie dem auch sei, es ist leicht möglich, daß die Sendung dieses Stammesnoch nicht ganz erfüllt, und namentlich mag dieses in Beziehung auf Deutsch-land der Fall sein. Auch letzteres erwartet einen Befreier, einen irdischenMessias mit einem himmlischen haben uns die Juden schon gesegneteinen König der Erde, einen Netter mit Sccpter und Schwert, und dieserdeutsche Befreier ist vielleicht derselbe, dessen auch Israel harret. . .

O thcnrer, sehnsüchtig erwarteter Messias!

Wo ist er jetzt, wo weilt er? Ist er noch ungeborcn oder liegt er schon seiteinem Jahrtausend irgendwo versteckt, erwartend die große rechte Stunde derErlösung? Ist es der alte Barbarossa, der im Kiffhäuscr schlummernd sitztaus dem steiuepzien Stuhle und so lange schläft, daß sein weißer Bart durchden steinernen Tisch durchgewachsen . . . nur manchmal schlaftrunken schüt-telt er das Haupt und blinzelt mit den halbgcschlosscncn Augen, greift auchwohl träumend nach dem Schwert . . . und nickt wieder ei», in den schwerenJahrtausendschlaf!

Nein, es ist nicht der Kaiser Nothbart, welcher Deutschland befreien wird,wie das Volk glaubt, das deutsche Volk, das schlummcrsüchtige, träumendeVolk, welches sich auch seinen Messias nur in der Gestalt eines alten Schlä-fers denken kann!

Da machen doch die Juden sich eine weit bessere Vorstellung von ihremMessias, und vor vielen Jahren, als ich in Polen war und mit dem großenRabbi Manasse bcn Naphtali zu Krakau verkehrte, horchte ich immer mitfreudig offenem Herzen, wenn er von dem Messias sprach ... Ich weiß nichtmehr, in welchem Buche des Talmuds die Details zu lesen sind, die mir dergroße Rabbi ganz treu mittbcilte, und überhaupt nur in den Grundzügcnschwebt mir seine Beschreibung des Messias noch im Gcdächtniß. Der Mes-sias, sagte er mir, sei an dem Tage geboren, wo Jerusalem durch den Böse-wicht, Titus Vespasian, zerstört worden, und seitdem wohne er im schönstenPalaste des Himmels, umgeben von Glanz und Freude, auch eine Krone aufdem Haupte tragend, ganz wie ein König . . . aber seine Hände seien ge-fesselt mit goldenen Ketten!

Was, fnig ich verwundert, was bedeuten diese goldenen Ketten ?

Die sind nothwendig" erwicderte der große Rabbi, mit einem schlauenBlick und einem tiefen Seufzerohne diese Fessel würde der Messias,wenn er manchmal die Geduld verliert, plötzlich hcrabeilcn und zu frühe, zur