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Unter diesen lieben Getreuen saß er in aller Majestät seines buntseidcncnSchlafrecks und hielt Gericht über die Großen dieser Erde, und neben demCzaaren aller Reußen war es wohl der Schreiber dieser Blätter, den sein rha-damantischer Zorn am stärksten traf. . . Was in seinen Schriften nurhalbwegs angedeutet wurde, fand im mündlichen Vortrag die grellste Ergän-zung, und der argwöhnische Kleingcist, der ihn bemeistcrtc, und eine gewisseinfame Tugend, die für die heilige Sache sogar die Lüge nicht verschmäht, kurzBeschränktheit und Selbsttäuschung, trieben den Mann bis in die Moräste derVerläumdung.
Der Vorwurf in den Worten „argwohnischer Kleingcist" soll hier wenigerdas Individuum als vielmehr die ganze Gattung treffen, die in MaximilianRobespicrre, glorreichen Andenkens, ihren vollkommensten Repräsentantengefunden. Mit diesem hatte Börne zuletzt die größte Achnlichkeit: im Ge-sichte lauerndes Mißtrauen, im Herzen eine blutdürstige Sentimentalität, imKopfe nüchterne Begriffe . . . Nur stand ihm keine Guillotine zu Gebote)und er mußte zu Worten seine Zuflucht nehmen und bloS vcrläumdcn. Auchdieser Borwurf trifft mehr die Gattungen; denn sonderbar! eben so wie dieJesuiten, haben die Jakobiner das Lügen als ein erlaubtes Kriegsmittel adop-tirt, vielleicht weil sich beide der höchsten Zwecke bewußt waren: jene strittenfür die Sache Gottes, diese für die Sache der Menschheit. . . Wir wollenihnen daher ihre Vcrläumdungcn verzeihen!
Ob aber bei Ludwig Börne nicht manchmal ein geheimer Neid im Spielewar? Er war ja ein Mensch, und während er glaubte, er rninire den gutenLeumund eines Andersgesinnten nur im Interesse der Republik, während ersich vielleicht noch etwas darauf zu Gute that, dieses Opfer gebracht zu haben,befriedigte er unbewußt die versteckten Gelüste der eignen bösrn Natur, wieeinst Maximilian Robespicrre, glorreichen Andenkens!
Und namentlich in Betreff meiner hat der Selige sich solchen Privatgefüh-len hingegeben, und alle seine Anfeindungen waren am Ende nichts anders,als der kleine Neid, den der kleine Tambour-Maitrc gegen de» großen Tam-bour-Major empfindet: er beneidete mich ob des großen Fedcrbusches, der sokeck in die Lüfte hincinjauchzt, ob meiner rcichgcstickten Uniform, woran mehrSilber, als er, der kleine Tambour-Maitrc, mit seinem ganzen Vermöge»bezahlen konnte, ob der Geschicklichkeit, womit ich den großen Stock balancire,ob der LicbcSblicke, die mir die jungen Dirnen zuwerfen, und die ich vielleichtmit etwas Koketterie crwicdrc!
Der Umgebung BLrnc's mag ebenfalls vieles von den angedeuteten Vcr-irrungcn zur Last fallen; er ward von den lieben Getreuen zu mancher schlim-men Acußcrung angestachelt, und das mündlich Geäußerte ward noch bösar-tiger aufgestützt und zu wunderlichen Privatzwcckcn verarbeitet. Bei all