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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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chcn? Nein, behauptete die Mehrheit. Darf ein Deutscher Handschuhetragen? Ja, jedoch von Büffelhaut. (Der schmutzige Maßmaim wollteganz sicher gehen und trug gar keine.) Ader Bicrtrinkcn darf ein Deutscher,und er soll cS als achter Sohn Germanins; denn Tacitus spricht ganz be-stimmt von deutscher Osi-ovisia, Im Bicrkcllcr zu Köttingen mußte ich einstbewundern, mit welcher Gründlichkeit meine altdeutschen Freunde die Pro-skriptionslisten anfertigten, für den Tag wo sie zur Herrschaft gelangen wur-den. Wer nur im siebenten Glied von einem Franzosen, Juden oder Slavcnabstammte, ward zum Exil verurtheilt. Wer nur im mindesten etwas gegenJahn oder überhaupt gegen altdeutsche Lächerlichkeiten geschrieben hatte, konntesich aus den Tod gefaßt machen, und zwar auf den Tod durchs Beil, nichtdurch die Guillotine, obgleich diese ursprünglich eine deutsche Erfindung undschon im Mittelalter bekannt war, unter dem Namendie welsche Falle."Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit, daß man ganz ernsthaft dcbattirte:ob man einen gewissen berliner Schriftsteller, der sich im ersten Bande seinesWerkes gegen die Turnkunst ausgesprochen hatte, bereits auf die erwähnteProscriptionSliste setzen dürfe: denn der letzte Band seines Buches sei nochnicht erschienen, und in diesem letzten Bande könne der Autor vielleicht Dingesagen, die den inkriminirtcn Aeußerungen des ersten Bandes eine ganz andereBedeutung ertheilen.

Sind diese dunklen Narren, die sogenannten Dcutschthiimler, ganz vomSchauplatz verschwunden! Nein. Sie haben bloß ihre schwarzen Nocke, dieLivree ihres Wahnsinns, abgelegt. Die meisten entledigten sich sogar ihresweinerlich brutalen Jargons, und vermummt in den Farben und Redensartendes Liberalismus, waren sie der neuen Opposition desto gefährlicher währendder politischen Sturm- und Drangperiodc nach den Tagen des Julius. Ja,im Heere der deutschen Ncvolutionsmänner wimmelte es von ehemaligenDeutschthümlcrn, die mit sauren Lippen die moderne Parole nachlalltcn undsogar die Marseillaise sangen ... sie schnitten dabei die fatalsten Gesichter. . . Jedoch es galt einen gemeinschaftlichen Kampf für ein gemeinschaftlichesInteresse, für die Einheit Deutschlands, der einzigen Fortschritts-Jdcc, diejene frühere Opposition zu Markte gebracht. Unsere Niederlage ist vielleichtein Glück . . . Man hätte als Waffenbrüder treulich »eben einander gcfoch-tcn, man wäre sehr einig gewesen während der Schlacht, sogar noch in derStunde des Sieges . . . aber den andern Morgen wäre eine Differenz zurSprache gekommen, die unausglcichbar und nur durch die ultima ratio poxu-lorum zu schlichten war, nämlich durch die welsche Falle. Die Kurzsichtigenfreilich untcr den deutschen Revolutionären bcurthciltcn Alles nach französi-schen Maßstäben, und sie sonderten sich schon in Constitutionellc und Republi-kaner und wiederum in Girondisten und Montagnards, und nach solchen Ein-