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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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ebenfalls, das ist gut, das gicbt mir Hoffnung. Auch wir, und das ist gut,auch wir haben Spitzbuben unter uns, und werden daher desto leichter reussi-rcn. Da ist der verwünschte Kerl von Montesquieu, welcher uns eingeredethatte, die Tugend sei das Prinzip der Republikaner! und ich ängstigte michschon daß unsere Parthei aus lauter ehrlichen Leuten bestehen und dcßhalbnichts ausrichten würde. Es ist durchaus nöthig, daß wir, eben so gut wieunsre Feinde, auch Spitzbuben unter uns haben. Ich hätte gerne den Pa-trioten entdeckt, der mir zu Hambach meine Uhr gemaust; ich würde ihm,wenn wir zur Regierung kommen, sogleich die Polizei übertragen und dieDiplomatie. Ich kriege ihn aber heraus, den Dieb. Ich werde nämlich imHamburger Corrcspondentcn annoncircn, daß ich dem ehrlichen Finder meinerUhr die Summe von IM LouiSd'or auszahle. Die Uhr ist eS Werth, schonals Curiosität: es ist nämlich die erste Uhr, welche die deutsche Freiheit gestoh-len hat. Ja, auch wir, Germanicns Sohne, wir erwachen aus unsererschläfrigen Ehrlichkeit . . . Tyrannen zittert, wir stehlen auch!"

Der arme Börne konnte nicht aufhören von Hambach zu reden und vondem Plaisir, das er dort genossen. ES war, als ob er ahnte, daß er zum letz-ten Mal in Deutschland gewesen, zum letzten Mal deutsche Luft gcathmct,deutsche Dummheiten eingesogen, mit durstigen OhrenAch!" seufzte er,wie der Wanderer im Sommer nach einem Labetrunk schmachtet, so schmachteich manchmal nach jenen frischen erquicklichen Dummheiten, wie sie nur aufdem Boden unseres Vaterlands gedeihen. Diese sind so tiefsinnig, so melan-cholisch lustig, daß einem das Herz dabei jauchzt. Hier bei den Franzosensind die Dummheiten so trocken, so oberflächlich, so vernünftig, daß sie fürjemand, der an Besseres gewohnt, ganz ungenießbar sind. Ich werde deßhalbin Frankreich täglich vergrämter und bitterer und sterbe am Ende. DaS Erilist eine schreckliche Sache. Komme ich einst in den Himmel, ich werde michgewiß auch dort unglücklich fühlen, unter den Engel», die so schön singen undso gut riechen ... sie sprechen ja kein deutsch und rauchen keinen Kanaster...Nur im Vaterland ist mir wohl! Vaterlandsliebe! Ich lache über dieses Wortim Munde von Leuten, die nie im Eril gelebt . . . Sie könnten eben so gutvon Milchbreilicbe sprechen. Milchbrciliebc! In einer afrikanischen Sand-wüste hat das Wort schon seine Bedeutung. Wenn ich je so glücklich bin,wieder nach dem lieben Deutschland zurückzukehren, so nennen sie mich einenSchurken, wenn ich dort gegen irgend einen Schrifsteilcr schreibe, der im Erilelebt. Wäre nicht die Furcht vor den Schändlichkcitcn, die man einen imGefängniß aussagen läßt, ich wäre nicht mehr fortgegangen, hätte mich ruhigfcstscken lassen, wie der brave Wirth und die Anderen, denen ich ihr Schick-sal voraussagte, ja denen ich alles voraussagte wie ich es im Traum ge-sehen . . /