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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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die Souverainctät des Feudaladels und beugte ihn unter jene königliche Will-kühr, die ihn entweder durch Hofdicust herabwürdigte, oder durch krautjunkcr-lichc Unthätigkcit in der Provinz vermodern ließ. Robespicrre schlug diesemunterwürfigen und faulen Adel endlich das Haupt ab. Aber der Boden blieb,und der neue Herr desselben, der neue Gutsbesitzer, ward ganz wieder einAristokrat, wie seine Vorgänger, deren Prätentionen er unter anderem Na-men fortsetzte. Da kam Rothschild, und zerstörte die Oberherrschaft des Bo-dens, indem er das Staatspapicrcnspstem zur höchsten Macht emporhob, da-durch die großen Bcsitzthümcr und Einkünfte mobilisirte, und gleichsam dasGeld mit den ehemaligen Vorrechte» des Bodens belehnte. Er stiftete freilichdadurch eine neue Aristokratie, aber diese, beruhend auf dem unzuverlässigstenElemente, auf dem Gcldc, kann nimmermehr so nachhaltig mißwirken, wiedie ehemalige Aristokratie, die im Boden, in der Erde selber, wurzelte. Geldist flüssiger als Wasser, windiger als Luft, und dem jetzigen Geldadel verzeihtman gern seine Impertinenzen, wenn man seine Vergänglichkeit bedenkt. . .er zerrinnt und verdunstet, ehe mau sich dessen versieht.

Indem ich oben die Namen Richelieu, Robespicrre und Rothschild zusam-menstellte, drängte sich mir die Bemerkung auf, daß diese drei größten Ter-roristen noch mancherlei andere Achnlichkeiten bieten. Sie haben z. B. miteinander gemein eine gewisse natürliche Liebe zur Poesie: Richelieu schriebschlechte Tragödien, Robespicrre machte erbärmliche Madrigale, und JamesRothschild, wenn er lustig wird, fängt er an zu reimen . . .

Doch das gehört nicht hierher, diese Blätter haben sich zunächst mit einemkleineren Revoluzionär, mit Ludwig Börne zu beschäftigen. Dieser hegte,wie wir mit Bedauern bemerken, den höchsten Haß gegen die Nvthschildc, undin seinem Gespräche, als wir zu Frankfurt dem Stammhause derselben vor-übergingen, äußerte sich jener Haß bereits eben so grell und giftig, wie in seinenspäteren pariser Briefen. Nichtsdestoweniger ließ er doch den persönlichen Eigen-schaften dieser Leute Gerechtigkeit wicderfahrcn, und er gestand mir ganz naiv:daß er sie nur hassen könne, daß es ihm aber trotz aller Mühe nicht möglichsei, sie verächtlich oder gar lächerlich zu finden.

Denn sehen Sie," sprach erdie Rothschilde habe» so viel Geld,eine solche Unmasse von Geld, daß sie uns einen fast grauenhaften Respekteinflößen; sie identifizirtcn sich so zu sagen mit dem Begriff des Geldes über-haupt, und Geld kann man nicht verachten. Auch haben diese Leute dassicherste Mittel angewendet, um jenem Ridikül zu entgehen, dem so mancheandere baronisirte Millionären-Familicn des alten Testaments verfallen sind:sie enthalten sich des christlichen Weihwassers. Die Taufe ist jetzt bei den rei-chen Juden an der Tagesordnung, und das Evangelium, das dem armenJudäaö vergebens gepredigt worden, ist jetzt in Floribus bei den Reichen. Aber