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ganz vcrläugncn konnte. Ich habe bemerkt, daß Frankfurter, die sich von allenHandelsinteressen entfernt hielten, am Ende jene frankfurter Aussprache, diewir, wie gesagt, in Norddcutschland Mauscheln nennen, ganz verlernten. -
Eine Strecke weiter, am Ausgange der Saalgasse, erfreuten wir uns einerviel angenehmeren Begegnung. Wir sahen nämlich einen Rudel Knaben,welche aus der Schule kamen, hübsche Jungen mit rosigen Gesichtchcn, einenPack Bücher unterm Arm.
„Weit mehr Respekt,"— rief Borne, — „weit mehr Respekt habe ich fürdiese Buben, als für ihre erwachsenen Väter. Jener Kleine mit der hohenStirn denkt vielleicht jetzt an den zweiten punischcn Krieg, und er ist begeistertfür Hannibal, und als man ihm heute erzählte, wie der große Karthager schonals Knabe den Römern Rache schwur . . . ich wette, da hat sein kleines Herzmitgcschworcn . . . Haß und Untergang dem bösen Rom! Halte DeinenEid, mein kleiner Waffenbruder. Ich möchte ihn küssen, den vortrefflichenJungen! Der andere Kleine, der so pfiffig hübsch aussieht, denkt vielleicht anden Mithridatcs und möchte ihn einst nachahmen . . . Das ist auch gut, ganzgut, und du bist mir willkommen. Aber, Bursche, wirst du auch Giftschlucken können, wie der alte König des Pontus? Ucbe dich frühzeitig. Wermit Rom Krieg führen will, muß alle möglichen Gifte vertragen können, nichtbloS plumpen Arsenik, sondern auch einschläferndes phantastisches Opium,und gar das schleichende Aquatofona der Verläumdung! Wie gefällt Ihnender Knabe, der so lange Beine hat und ein so unzufrieden aufgestülptes Nas-chen ? Den jückt es vielleicht, ein Catalina zu werden, er hat auch langeFinger und er wird einmal den Ciceros unserer Republik, den gepudertenVätern des Vaterlandes, eine Gelegenheit gebe», sich mit langen schlechtenReden zu blamircn. Der dort, der arme kränkliche Bub, möchte gewiß weitlieber die Nolle des Brutus spielen . . . Armer Junge, du wirst keinen Cäsarfinden, und mußt dich begnügen, einige alte Pcrrücken mit Worten zu erstechen,und wirst dich endlich, nicht in dein Schwert, sondern in die Schclling'schePhilosophie stürzen und verrückt werden! Ich habe Respekt für diese Kleinen,die sich den ganzen Tag für die hochherzigsten Geschichten der Menschheittntcrcssircn, während ihre Väter nur für das Steigen oder Fallen der Staats-papicre Interesse fühlen, und an Caffcebohnen und Cochenille und Mannfak-turwaarcn denken! Ich hätte nicht übel Lust, dem kleinen Brutus dort eineTüte mit Zuckerkringcln zu kaufen . . . Nein, ich will ihm lieber Brantcwcinzu trinken geben, damit er klein bleibe. . . Nur so lange wir klein sind, sindwir ganz uneigennützig, ganz hcldcnmüthig, ganz heroisch ... Mit dem wach-senden Leib schrumpft die Seele immer mehr ein... Ich fühle es an mirselber... Ach, ich bin ein großer Mann gewesen, als ich noch ein kleinerJunge war!"