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ans dem Wollgrabcn ist die bekannte Freiheitsgöttin, an welche späterhin dieBriefe aus Paris adrcssirt wurden. Ich sah eine magere Person, deren gelb-lich weißes, pockennarbiges Gesicht einem alten Matzekuchen glich. Trotzihrem Acußern und obgleich ihre Stimme kreischend war, wie eine Thüre,die sich auf rostigen Angeln bewegt, so gefiel mir doch alles, was die Personsagte; sie sprach nämlich mit großem Enthusiasmus von meinen Werken.Ich erinnere mich, daß sie ihren Freund in große Verlegenheit setzte, als sieausplaudern wollte, was er ihr bei unserm Eintritt ins Ohr geflüstert; Börneward roth wie ein Mädchen, als sie, trotz seiner Bitten, mir vcrricth, er habesich geäußert: mein Besuch sei für ihn eine größere Ehre, als wenn ihn Goethebesucht hätte. Wenn ich jetzt bedenke, wie schlecht er schon damals von Goethedachte, so darf ich mir jene Acußcrung nicht als ein allzugroßcS Complimcntanrechnen.
lieber das Verhältnis; Börne's zu der erwähnten Dame erfuhr ich damalseben so wenig Bestimmtes, wie andere Leute. Auch war es mir gleichgültig,ob jenes Verhältnis; warm oder kühl, feucht oder trocken war. Die böse Weltbehauptete, Herr Börne säße bei Madame Wohl auf dem Wollgrabcn so rechtin der Wolle: die ganze böse Welt zischelte: es herrsche zwischen beiden nureine abstrakte Seelen-Verbindung, ihre Liebe sei platonisch.
Was mich betrifft, so intcrcssirt mich bei ausgezeichneten Leuten der Gegen-stand ihrer Liebcsgefühle immer weniger, als das Gefühl der Liebe selbst. Letz-teres aber — das weiß ich, muß bei Börne sehr stark gewesen sein. Wie spä-ter bei der Lektüre seiner gesammelten Schriften, so schon in Frankfurt durchmanche hingeworfene Aeußcrung, merkte ich, daß Börne zu verschiedenenJahrzcitcn seines Lebens von den Tücken des kleinen Gottes weidlich geplagtworden. Namentlich von den Qualen der Eifersucht weiß er viel zu sagen,wie denn überhaupt die Eifersucht in seinem Charakter lag, und ihn, im Lebenwie in der Politik, alle Erscheinungen durch die gelbe Lupe des Mißtrauensbetrachten ließ. Ich erwähnte, daß Börne zu verschiedenen Zeiten seinesLebens von Licbcslcidcn heimgesucht worden. —
„Ach," seufzte er einmal wie aus der Tiefe schmerzlicher Erinnerungen,„in spätem Jahren ist diese Leidenschaft noch weit gefährlicher als in der Ju-gend. Man sollte es kaum glauben, da sich doch mit dem Alter auch unsereVernunft entwickelt hat, und diese uns unterstützen könnte im Kampfe mit derLeidenschaft. Saubere Unterstützung! Merken Sie sich das: die Vernunfthilft uns nur, jene kleinen Kaprizen zu bekämpfen, die wir auch ohne ihre Jn-tcrvcuzion bald überwinden würden. Aber sobald sich eine große wahre Lei-denschaft unseres Herzens bemächtigt hat, und unterdrückt werden soll, wegendes positiven Schadens, der uns dadurch bedroht, alsdann gewährt uns dieVernunft wenig Hülfe, ja, die Canaille, sie wird alsdann sogar eine Bundes-