heit ausspricht, zur höchste» Erbauung aller vainos xatronooses der Sittlich-keit jenseits des Canals. Jenny hat aufs bestimmteste gelobt, nie auf denLastcrbrettern der Rue Lepelletier ihre singende Jungferschast dem französischenPublica Preis zu geben; sie hat alle Anträge, welche ihr Herr Leon Pillet durchseine Kunstrusfiani machen ließ, streng abgelehnt. „Diese rauhe Tugendmacht mich stutzen" — wurde der alte Panlet sagen. Ist etwa die Volkssagegegründet, daß die heutige Nachtigall in frühem Jähren schon einmal inParis gewesen und im hiesigen sündhaften Conservatoire Musikunterricht ge-nossen habe, wie andre Singvögel, welche seitdem sehr lockere Zeisige gewordensind? Oder fürchtet Jenny jene frivole Pariser Kritik, die bei einer Sän-gerin nicht die Sitten, sondern nur die Stimme kritisirt, und Mangel anSchule für das größte Laster hält? Dem sei wie ihm wolle, unsre Jennykommt nicht hierher und wird die Franzosen nicht aus ihrem Sündenpfuhlheraussingcn. Sie bleiben verfallen der ewigen Verdammniß.
Hier in der Pariser musikalischen Welt ist alles beim Alten; in der Acadc-mic-royale-de-Musigue ist noch immer grauer, feuchtkaltcr Winter, währenddraußen Maisonnc und Veilchenduft. Im Vestibül steht »och immer wch-mllthig trauernd die Bildsäule des göttlichen Rossini; er schweigt. Es machtHerrn Leon Pillet Ehre, daß er diesem wahren Genius schon bei Lebzeiteneine Statue gesetzt. Nichts ist possirlicher, als die Grimasse zu sehen, womitScheelsucht und Neid sie betrachten. Wenn Signor Spontini dort vorbei-geht, stößt er sich jedesmal an diesem Steine. Da ist unser großer MaestroMcycrbeer viel klüger, und wenn er des Abends in die Oper ging, wußte erjenem Marmor des Anstoßes immer vorsichtig auszuweichen, er suchte sogarden Anblick desselben zu vermeiden; in derselben Weise pflegen die Juden zuRom, selbst auf ihren eiligsten Geschäftsgängen, immer einen großen Umwegzu machen, um nicht jenem fatalen Triumphbogen des Titus vorbei zu kom-men, der zum Gcdächtniß des Untergangs von Jerusalem errichtet worden.Ueber Donizetti's Zustand werden die Berichte täglich trauriger. Währendseine Melodien freudegaukelnd die Welt erheitern, während man ihn überallsingt und trillert, sitzt er selbst, ein entsetzliches Bild des Blödsinns, in einemKrankcnhausc bei Paris. Nur für seine Toilette hatte er vor einiger Zeitnoch ein kindisches Bewußtsein bewahrt, und man mußte ihn täglich sorgfäl-tig anziehen, in vollständiger Galla, der Frack geschmückt mit allen seinenOrden; so saß er bewegungslos, den Hut in der Hand, vom frühesten Mor-gen bis zum spätesten Abend. Aber das hat auch aufgehört, er erkennt nie-mand mehr; das ist Menschenschicksal.