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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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und so grausam süß und aumuthig flrtschcnd lächelt: dann wird Einem zuMuthe, als müßten jetzt auch die ungeheuerlichen Vegetationen und Thicrgat-tungen Hindostans oder Afrikas zum Vorschein kommen; man meint,setzt müßten auch Nicsenpalmcn, umrankt von tauscndl'lumigcn Lianen, em-porschießen -und man würde sich nicht wundern, wenn plötzlich ein Lcopardc,oder eine Giraffe, oder sogar eine Rudel Elcphantenkälber über die Sccneliefen. Wir hören mit großem Vergnügen, daß diese Sängerin wieder aufdem Wege uach Paris ist.

Während die Academic de Mnsique aufs jammervollste darnicdcrlag, unddie Italiener sich ebenfalls hctrüösam hinschleppten, erhob sich die dritte lyrischeSccne, die Opera comique, zn ihrer fröhlichsten Höhe. Hier überflügelte einErfolg den andern, und die Casse hatte immer einen guten Klang. Ja, cSwurde noch mehr Geld als Lorbeeren eingeerntet, was,gewiß für die Direktionkein Unglück gewesen. Die Texte der neuen Opern, die sie gab, waren immervon Seribc, dem Manne, der einst das große Wort aussprach: das Gold isteine Chimäre! und der dennoch dieser Chimäre beständig nachläuft. Er istder Mann des Geldes, des klingenden Realismus, der sich nie versteigt in dieRomantik einer unfruchtbaren Wölkenwclt, und sich festklammert an der irdi-schen Wirklichkeit der Vernunfthcirath, des industriellen Bllrgcrthums undder Tantieme. Einen ungeheuren Beifall findet Scrbie'S neue Oper, dieSirene, wozu Auber die Musik geschrieben. Autor und Compvnist passe»ganz für einander: sie haben den raffinirtestcu Sinn für das Interessante, siewissen uns angenehm zu unterhalten, sie entzücken und blenden uns sogardurch die glänzenden Facetten ihres Esprits, sie besitzen ein gewisses Filigran-talent der Verknüpfung allerliebster Kleinigkeiten, und man vergißt bei ihnen,daß es eine Poesie giebt. Sic sind eine Art Kunstloretten, welche alle Ge-spenstergeschichten der Vergangenheit aus unsrcr Erinnerung sortlächcln, undmit ihrem koketten Getändel wie mit Pfaucnsächern die sumsenden Zukunft-gcdanken, die unsichtbaren Mücken, von uns abwedeln. Zu dieser harmlosbuhlerischen Gattung geHort auch Adam, der mit seinem Cagliostro ebenfallsin der Opera comique sehr leichtfertige Lorbeeren eingeerntet. Adam ist eineliebenswürdige erfreuliche Erscheinung, und ein Talent, welches noch großerEntwicklung fähig ist. Eine rühmliche Erwähnung verdient auch Thomas,dessen Operette Mina viel Glück gemacht.

Alle diese Triumphe übertraf jedoch die Vogue des Deserteurs, einer altenOper von Monsigny, welche die Opera comique aus den CartonS der Ver-gessenheit hervorzog. Hier ist echt französische Musik, die heiterste Grazie,eine harmlose Süße, eine Frische wie der Duft von Waldblumen, Natur-wahrheit, sogar Poesie. Ja, letztere fehlt nicht, aber es ist eine Poesie ohneSchauer der Unendlichkeit, ohne geheiinuißvollcn Zauber, ohne Wchmuth,