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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Entsetzen, baß unter den gemeinsamen Ausgaben auch eine bedeutende Summefür Lorbeerkränze, Blumenbouqucts, Lvbgcdichte und sonstige Ovationskostenangesetzt war. Der naive Sänger hatte sich eingebildet, daß man ihm seinerschönen Stimme wegen solche BeifallSzeichcn zugeschmissen, er gerietst jetzt ingroßen Zorn, und wollte durchaus nicht die Bouqncts bezahlen, worin sichvielleicht die kostbarsten Camclias befanden. War' ich ein Musiker, dieserZwist böte mir das beste Sujet einer komischen Oper.

Aber ach! laßt uns die Huldigungen, welche die berühmten Virtuosen cin-crntcn, nicht allzu genau untersuchen. Ist doch der Tag ihrer eitlen Berühmt-heit sehr kurz, und die Stunde schlägt bald, wo der Titane der Tonkunstvielleicht zu einem Stadtmusikus von sehr untergesetzter Statur zusammen-schrumpft, der in seinem Kaffcchause den Stammgästen erzählt und auf seineEhre versichert, wie man ihm einst Blumenbouqucts mit den schönsten Camc-lias zngcschlcudcrt, und wie sogar einmal zwei ungarische Gräfinnen, um seinSchnupftuch zu erhaschen, sich selbst zur Erde geschmissen und blutig geraufthaben! Dir Eintags-Ncputation der Virtuosen verdunstet und verhallt, öde,spurlos, wie der Wind rtncs Kamcelcs in der Wüstr.

Der Ucbergang vom Löwen zum Kaninchen ist etwas schroff. Dennoch darfich hier jene zahmeren Clavicrspicler nicht unbeachtet lassen, die in der dies-jährigen Saison sich ausgezeichnet. Wir können nicht Alle große Prophetensein, und es muß auch kleine Propheten geben, wovon zwölf auf ein Dutzendgehen. Als den größten unter den Kleinen nennen wir hier Theodor Döhlcr.Sein Spiel ist nett, hübsch, artig, empfindsam, und er hat eine ganz cigcn-thiimliche Manier, mit der wagerccht ausgestreckten Hand blos durch die ge-bogenen Fingerspitzen die Tasten anzuschlagen. Nach Döhlcr verdient Halleunter den kleinen Propheten eine besondere Erwähnung; er ist ein Habaknkvon eben so bescheidenem wie wahrem Verdienst. Ich kann nicht umhin, hierauch des Herrn Schad zu erwähnen, der unter den Clavicrspiclern vielleichtdenselben Rang einnimmt, den wir dem Jonas unter den Propheten einräu-men; möge ihn nie ein Walfisch verschlucken!

Als gewissenhafter Berichterstatter, der nicht blos von neuen Opern undConccrtcn, sondern auch von allen andern Katastrophen der musikalischen Weltzn berichten hat, muß ich auch von den vielenVcrhcirathungcn reden, die darinzum Ausbruch gekommen, oder auszubrechen drohen. Ich rede von wirklichen,lebenslänglichen höchst anständigen Heirathcn, nicht von dem wilden Ehe-Dilettantismus, der des Maircs mit der dreifarbigen Schärpe und des Segensder Kirche entbehrt. Odaouu sucht jetzt seine Llmormg. Die Herrn Künstlertänzeln einher auf Freiersfllßcn und trällern Hymencen. Die Violine ver-schwägert sich mit der Flöte; die Hornmusik wird nicht ausbleiben. Einer derdrei berühmtesten Pianisten vermählte sich unlängst mit der Tochter des in

Heine. Vl. LS