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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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der ihm bisher ganz fremd war, während weit gravitätischere nnd also zuver-lässigere Leute, wie der Baron von Eckstein oder der Historiograph Capcfigue,welche beide, wie oben bemerkt, ebenfalls Mitarbeiter der Allgemeinen Zeitungwaren, mit Herrn Guizot in vieljährigcm gesellschaftlichen Verkehr gestanden,und gewiß ein delicates Vertrauen verdient hätten. Seit der erwähnten Un-terredung habe ich Herrn Guizot nie wieder gesehen; nie sah ich seinen Se-cretair, oder sonst jemand, der in seinem Bureau arbeitete. Nur zufälligerfuhr ich einst, daß Herr Guizot von transrhcnanischcn Gesandtschaften oftund dringend angegangen worden, mich aus Paris zu entfernen. Nicht ohneLachen konnte ich dann an die ärgerlichen Gesichter denken, welche jene Necla-manten geschnitten haben mochten, als sie entdeckten, daß der Minister, vonwelchem sie meine Ausweisung verlangt, mich obendrein durch ein Jahrgehaltunterstützte. Wie wenig derselbe wünschte, dieses edle Verfahren devulgirt zusehen, begriff ich ohne besondern Wink, und discrete Freunde, denen ich nichtsverhehlen kann, theilten meine Schadenfreude.

Für diese Belustigung und die Großmuth, womit er mich behandelt, warich Herrn Guizot gewiß zu großem Dank verpflichtet. Doch als ich in mei-nem Glauben an seine Standhaftigkcit gegen königliche Zumuthungcn irreward, als ich ihn vom Willen Ludwig Philipp's allzu verderblich beherrschtsah, nnd den großen, entsetzliche» Jrrthum dieses autokratischcn Starrwillcns,dieses unheilvollen Eigensinns begriff: da würde wahrlich nicht der psychischeZwang der Dankbarkeit mein Wort gefesselt haben, ich hätte gewiß mit ehr-furchtsvoller Betrübniß die Mißgriffe gerügt, wodurch das allzunachgiebigeMinisterium, oder vielmehr der bethörte König, das Land und die Welt demUntergänge entgcgcnfllhrte. Aber es knebelten meine Feder auch brutalephysische Hindernisse, und diese reelle Ursache meines Schweigens, meinesNichtschrcibcns, kann ich erst heute öffentlich enthüllen.

Ja, im Fall ich auch das Gelüste empfunden hätte, in der AllgemeinenZeitung gegen das unselige RegicrungSsystem Ludwig Philipps nur eineSilbe drucken zu lassen, so wäre mir solches unmöglich gewesen, aus dem ganzeinfachen Grunde: weil der kluge König schon vor dem 29. November gegeneinen solchen verbrecherischen Correspondentcn-Einfall, gegen ein solches At-tentat, seine Maßregeln genommen, indem er höchstselbst geruhte, den dama-ligen Censor der Allgemeinen Zeitung zu Augsburg nicht bloS zum Ritter,sondern sogar zum Officicr der französischen Ehrenlegion zu ernennen. Sogroß auch meine Vorliebe für den seligen König war, so fand doch der Angs-burgcr Censor, daß ich nicht genug liebte, und er strich jedes mißliebige Wort,und sehr viele meiner Artikel über die königliche Politik blieben ganz unge-druckt. Aber kurz nach der Februarrevolution, wo mein armer Ludwig Phi-lipp ins Exil gewandert tvar, erlaubte mir weder die Pietät noch der Anstand