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letzterer Präsident des Ministerconseils war. Aber Soult war nur dessenTitularoberhanpt, ungefähr wie der jedesmalige König von Hannover immerden Titel eines Rectors der Universität Georgia-Augusta führt, während Se.Magnificcnz, der zeitliche Prorcctor zu Güttingen, die wirkliche Rcctorats-gewalt ausübt. Trotz der officicllcn Machtvollkommenheit SoultS war vonihm nie die Rede; nur daß zuweilen die liberalen Blätter, wenn sie mit ihmzufrieden waren, ihn den Sieger von Toulouse nannten; hatte er aber ihrMißfallen erregt, so verhöhnten sie ihn, steif und fest behauptend, daß er dieSchlacht bei Toulouse nicht gewonnen habe. Man sprach nur von Guizot,und dieser stand während mehren Jahren im Zenith seiner Popularität bei derBourgeoisie, die von der Kriegslust seines Vorgängers ins Bockshorn gejagtworden; es versteht sich von selbst, daß der Nachfolger von Thiers noch größereSympathie jenseits des Rheins erregte. Wir Deutschen konnten dem Thiersnicht verzeihen, daß er uns aus dem Schlaf getrommelt, aus unscrm gcmllth-lichcn Pflanzenschlaf, und wir rieben uns die Augen und riefen: Vivat Guizot!Besonders die Gelehrten sangen das Lob desselben, in Pindar'schcn Hymnen,wo auch die Prosodic, das antike Silbenmaß, treu nachgeahmt war, und einhier durchreisender deutscher Professor der Philologie versicherte mir, daß Gui-zot eben so groß sei wie Thiersch. Ja, eben so groß wie mein lieber, menschen-freundlicher Freund Thiersch, der Verfasser der besten griechischen Grammatik!Auch die deutsche Presse schwärmte für Guizot, und nicht blos die zahmenBlätter, sondern auch die wilden, und diese Begeisterung dauerte sehr lange;ich erinnere mich, noch kurz vor dem Sturz des viclgcfcicrtcn Lieblings derDeutschen, fand ich im radikalsten deutschen Journal, in der Spcycrer Zei-tung, eine Apologie GuizotS aus der Feder eines jener Tyranncnfresser, derenTomahawk und Scalpirmcsscr keine Barmherzigkeit jemals kannte. Die Be-geisterung für Guizot ward in der Allgemeinen Zeitung fiirnchmlich vertretenvon meinem College» mit dem Vcnnszeichcn und von meinem College» mitdem Pfeil; erster» schwang das Weihrauchfaß mit sacerdotalcr Weihe, letz-terer bewahrte selbst in der Extase seine Süße und Zierlichkeit! beide hieltenaus bis zur Katastrophe.
Was mich betrifft, so hatte ich, seitdem ich mich ernsthaft mit französischerLiteratur beschäftigt, die ausgezeichneten Verdienste Guizots immer erkanntund begriffen, und meine Schriften zeugen von meiner frühen Verehrung desweltberühmten Mannes. Ich liebte mehr seinen Nebenbuhler Thiers, abernur seiner Persönlichkeit wegen, nicht ob seiner Gcistcsrichtnng, die eine bor-nirt nationale ist, so daß er fast ein französischer Altdeutscher zu nennen wäre,während GuizotS kosmopolitische Anschauungsweise meiner eignen Dcnknngs-art näher stand. Ich liebte vielleicht in erstcrcm manche Fehler, deren manmich selber zieh, während die Tugenden des andern beinahe abstoßend auf