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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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gestellt war. Ich weiß nicht, ob sie der Meinung gewesen, daß sie mir durchden Abdruck schmählicher aber haltloser Beschuldigungen einen Dienst erweise,indem sie mir dadurch Gelegenheit böte, jedem unwürdigen Gerede, jeder imNebel schleichenden Insinuation mit einer bestimmten Erklärung entgegen zutreten Genug, die Rcdaction der Allgemeinen Zeitung druckte den einge-sandten Corruptionsartikcl, doch sie begleitete denselben mit einer Note, worinsie in Bezug auf meine Pension die Bemerkung machte,daß ich dieselbe inkeinem Falle für das, was ich schrieb, sondern nur für daS was ich nichtschrieb, empfangen haben könne."

Ach, diese gewiß wohlgemeinte, aber wegen ihrer allzuwitzigen Abfassungsehr verunglückte Ehrcnrettungsnote war ein wahres Pavs, ein Pflasterstein,wie die französischen Jonrnalisten in ihrer Cotcriesprache eine ungeschickte Ver-teidigung nennen, welche den Verthcidigten todtschlägt, wie es der Bär in derFabel that, als er von der Stirn des schlafenden Freundes eine Schmeißfliegeverscheuchen wollte, und mit dem Quaderstein, den er auf sie schleuderte, auchdas Hirn des Schützlings zerschmetterte.

Das augsburgische Pavs mußte mich empfindlicher verletzen, als der Corre-spondcnzartikcl der armseligen Schmeißfliege, und in der Erklärung, die ichdamals, wie oben erwähnt, in der Allgemeinen Zeitung drucken ließ, sagte ichdarüber folgende Worte:Die Rcdaction der Allgemeinen Zeitung begleitetjene Corrcspondenz mit einer Note, worin sie vielmehr die Meinung aus-spricht, daß ich nicht für das was ich schrieb jene Unterstützung empfangenhaben möge, sondern für das was ich nicht schrieb. Die Rcdaction derAllgemeinen Zeitung, die seit zwanzig Jahren nicht sowohl durch das, wassie von mir druckte, als vielmehr durch das was sie nicht druckte, hin-länglich Gelegenheit hatte, zu merken, daß ich nicht der servile Schriftstellerbin, der sich sein Stillschweigen bezahlen läßt besagte Redaction hättemich wohl mit jener levis uotu verschonen können."

Zeit, Ort und Umstände erlaubten damals keine weitem Erörterungen,doch heute, wo alle Rücksichten erloschen, ist es mir erlaubt, noch viel thatsäch-licher darzuthun, daß ich weder für das was ich schrieb, noch für das was ichnicht schrieb, vom Ministerium Guizot bestochen sein konnte. Für Menschen,die mit dem Leben abgeschlossen, haben solche retrospektive Rechtfertigungeneinen sonderbar wchmüthigcn Reiz, und ich überlasse mich demselben mit träu-merischer Indolenz. Es ist mir zu Sinne, als ob ich einem Längstverstorbeneneine fromme Gcnugthuung verschaffe; jedenfalls stehen hier am rechten Platzedie folgenden Erläuterungen über französische Zustände zur Zeit deS Mini-steriums Guizot.

Das Ministerium vom 29. November 184V sollte man eigentlich nicht dasMinisterium Guizot, sondern vielmehr das Ministerium Soult nennen, da