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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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gewährt, ist eine Vergünstigung, ja, um mich ganz bestimmt auszudrücken, sieist ein Geldgeschenk, das Herr von Rothschild seinen Freunden angedeihen läßt.Die eventuellen Acticn, die sogenannten Promcffcn des Hauses Rothschild,stehen nämlich schon mehre hundert Franken über pari, und wer daher solcheActicn al pari von dem Baron James de Rothschild begehrt, bettelt im wah-ren Sinne des Wortes. Aber die ganze Welt bettelt jetzt bei ihm, es regnetBettelbriefe, und da die Vornehmsten mit dem würdigen Beispiel vorangehen,ist jetzt das Betteln keine Schande mehr. Herr von Rothschild ist daher derHeld des Tages, und er spielt überhaupt in der Geschichte unsrcr heutigenMisdre eine so große Rolle, daß ich ihn oft und so ernsthaft als möglich be-sprechen muß. Er ist in der That eine merkwürdige Person. Ich kann seinefinanzielle Fähigkeit nicht beurtheilen, aber nach Resultaten zu schließen mußsie sehr groß sein. Eine eigenthllmliche Capacität ist bei ihm die Beobach-tungsgabe oder der Jnstinct, womit er die Capacitäten andrer Leute in jederSphäre, wo nicht zu beurtheilen, doch herauszufinden versteht. Man hat ihnob solcher Begabniß mit Ludwig XIV. vergliche» ; und wirklich im Gegen-satz zu seinen Herren College», die sich gern mit einem Generalstab von Mit-telmäßigkeit umgeben, sahen wir Hrn. James von Rothschild immer in intim-ster Verbindung mit den Notabilitätcn jeder DiSciplin: wenn ihm auch dasFach ganz unbekannt war, so wußte er doch immer wer darin der beste Mann.Er versteht vielleicht keine Note Musik, aber Rossini war beständig sein Haus-freund. Nry Schiffer ist sein Hofmaler; Carbme war sein Koch. Hr. vonRothschild weiß sicher kein Wort Griechisch, aber der Helenist Letronnc ist derGelehrte, den er am meisten auszeichnet. Sein Leibarzt war der genialeDupuytren, und es herrschte zwischen beiden die brüderlichste Zuneigung.Den Werth eines Crcmicur, des großen Juristen, dem eine große Zukunftbevorsteht, hat Hr. v. Rothschild schon früher begriffen, und er fand in ihmseinen treuen Anwalt. In gleicher Weise hat er die politischen FähigkeitenLudwig Philipps gleich von Ansang gewürdigt, und er stand immer auf ver-trautem Fuße mit diesem Großmeister der Staatskunst. Den Emile Pereire,den Pontifex Marimus der Eisenbahnen, hat Hr. v. Rothschild ganz eigent-lich entdeckt, er machte denselben gleich zu seinem ersten Ingenieur, und durchihn gründete er die Eisenbahn nach Versailles. Die Poesie, sowohl die fran-zösische wie die deutsche, ist ebenfalls in der Gunst des Hrn. v. Rothschild sehrwürdig vertreten, doch will es mich bedllnkcn, als ob hier nur eine liebenswür-dige Courtoisie im Spiele, und als ob der Herr Baron für unsre heutigenDichter nicht so schwärmerisch begeistert sei wie für die großen Tobten, z. B.für Homer, Sophokles, Dante, Cervantes, Shakespeare, Goethe, lauter ver-storbene Poeten, verklärte Genien, die geläutert von allen irdischen Schlaken,jeder Erdcnnoth entrückt sind und keine Nordciscnbahnactien verlangen.