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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
378
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Bude beurthcileu, oder cS sind altc abgelebte Bouapartistm, die an der N»n-kclrübe, der LicblingSidcc des Kaisers, mit einer gewissen Pietät festhalten.Diese Greise, die seit 1814 geistig stehen geblieben, bilden immer ein wehmü-thig komisches Scitenstück zu unscrn überrheinischm alten Dcutschthiiinlcrn,und wie diese einst für die deutsche Eiche und den Eichelkaffee, so schwärmenjene für die tZIvlrs und den Runkctrübcnzuckcr. Aber die Zeit rollt raschvorwärts, unaufhaltsam, auf rauchenden Dampfwagm, und die abgenutztenHelden der Vergangenheit, die alten Stelzfüße abgeschlossener Nationalität,die Invaliden und Jncnrabeln, werden wir bald aus dm Augen verlieren.

Die Eröffnung der beiden neuen Eisenbahnen, wovon die eine nach Orleans,die andere nachRoncn führt, verursacht hier eine Erschütterung, die jeder mit-empfindet, wenn er nicht etwa auf einem socialen Jsolirschcmcl steht. Dieganze Bevölkerung von Paris bildet in diesem Augenblick gleichsam eine Kette,wo einer dem andern den elektrischen Schlag mitthcilt. Während aber diegroße Menge verdutzt und betäubt die äußere Erscheinung der großen Bcwe-gungsmächte anstarrt, erfaßt dm Denker ein unheimliches Grauen, wie wires immer empfinden, wenn daS Ungeheuerste, das Unerhörteste geschieht, des-sen Folgen unabsehbar und unberechenbar sind. Wir merken blos, daß unsreganze Existenz in neue Gleise fortgerissen, fortgeschleudert wird, daß neueVerhältnisse, Freuden und Drangsale uns erwarten, und das Unbekannte übtseinen schauerlichen Reiz, verlockend und zugleich beängstigend. So mußunfern Vätern zu Muth gewesen sein, als Amerika entdeckt wurde, als dieErfindung des PulvcrS sich durch ihre ersten Schüsse ankündigte, als die Buch-druckern die ersten Aushängebogen des göttlichen Wortes in die Welt schickte.Die Eisenbahnen sind wieder ein solches providencicllcS Ereigniß, das derMenschheit einen neuen Umschwung gicbt, das die Farbe und Gestalt des Le-bens verändert; cS beginnt ein neuer Abschnitt in der Weltgeschichte, undunsre Generation darf sich rühmen, daß sie dabei gewesen. Welche Verän-derungen müssen jetzt eintreten in nnsrcr Anschauungsweise und in unscrnVorstellungen! Sogar die Elementarbegriffe von Zeit und Raum sindschwankend geworden. Durch die Eisenbahnen wird der Raum gctödtet, undes bleibt uns nur noch die Zeit übrig. Hätten wir nur Geld genug, um auchletztere anständig zu tödtm! In vicrthalb Stunden reist man jetzt nach Or-leans, in eben so vielen Stunden nach Noucn. Was wird das erst geben,wenn die Linien nach Belgien und Deutschland ausgeführt und mit dm dor-tigen Bahnen verbunden sein werden! Mir ist als kämen die Berge undWälder aller Länder auf Paris angerückt. Ich rieche schon den Duft derdeutschen Linden; vor meiner Thür brandet die Nordsee.

Es haben sich nicht bloS für die Ausführung der Nordeiscubahn, sondernauch für die Anlage vieler andern Linien große Gesellschaften gebildet, die das