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müssen die brave Person um so mehr rühmen, da nur reine Menschenliebe,Philanthropie, im Spiele, und der alte Dessauer schwerlich durch sein schönesGesicht die Franc» zu bestechen vermöchte. Ucbcr dieses Gesicht sind die Mei-nungen verschieden; die Einen sagen, es sei ein Vomitiv, die Andern sagen,es sei ein Laxativ. So viel ist gewiß, bei seinem Anblick beklemmt mich im-mer ein sataleö Dilemma, und ich weiß alsdann nicht, für welche von beidenAnsichten ich mich entscheiden soll. Der alte Dcssaucr hat dem hiesigen Pu-blicum zeigen wollen, daß sein Gesicht nicht, wie man sagte, das fatalste vonder Welt sei. Cr hat in dieser Absicht einen jüngern Bruder expreß vonPrag hierher kommen lassen, und dieser schöne Jüngling, der wie ein AdoniSdes Grindes aussieht, begleitet ihn jetzt überall in Paris. —
Entschuldige, thcnrcr Leser, wenn ich dich von solchen Schmeißfliegen unter-halte; aber ihr zudringliches Gcsumsc kann den Geduldigsten am Ende dahinbringen, daß er zur Mcgenklatschc greift. Und dann auch wollte ich hier zei-gen, welche Mistkäfer von unscrn biedern Musikverlegcrn als deutsche Nachti-gallen, als Nachfolger, ja als Nebenbuhler von Schubert gepriesen werden.Die Popularität Schuberts ist sehr groß in Paris, und sein Name wird inder unverschämtesten Weise ausgebeutet. Der miserabelste Liedcrschund er-scheint hier unter dem fingirtc» Namen Camille Schubert, und die Franzosen,die gewiß nicht wissen, daß der Borname des echten Musikers Franz ist, lassensich solchermaßen täuschen. Armer Schubert! Und welche Texte werden sei-ner Musik untergeschoben! ES sind namentlich die von Schubert componirtcnLieder von Heinrich Heine, welche hier am beliebtesten sind, aber die Texte sindso entsetzlich übersetzt, daß der Dichter herzlich froh war, als er erfuhr, wiewenig die Musikvcrlegcr sich ein Gewissen daraus machen, den wahren Autorverschweigend, den Namen eines obscnren französischen ParolicrS anf dasTitelblatt jener Lieder zu setzen. ES geschah vielleicht auch aus Pfiffigkeit,um nicht an ckroits ck'antvur zu erinnern. Hier in Frankreich gestatten diesedem Dichter eines componirten Liedes immer die Hälfte des Honorars. Wärediese Mode in Deutschland eingeführt, so würde ein Dichter, dessen Buch derLieder seit zwanzig Jahren von allen deutschen Musikhändlcrn ausgebeutetwird, wenigstens von diesen Leuten einmal ein Wort des Dankes erhaltenhaben. — Es ist ihm aber von den vielen hundert Compositionen seiner Lieder,die in Deutschland erschienen, nicht ei» einziges Freiexemplar geschickt worden!Möge auch einmal für Deutschland die Stunde schlagen, wo das geistige Eigcn-thum des Schriftstellers eben so ernsthaft anerkannt werde, wie das baumwol-lene Eigcnthnm des Nachtmützensabrikantcn. Dichter werden aber bei unsals Nachtigallen betrachtet, denen nur die Lust angehöre; sie sind rechtlos,wahrhaft vogelfrci!
Ich will diesen Artikel mit einer guten Handlung beschließen. Wie ich