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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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radin Kreutzer befindet. Konradin Kreutzer ist hier zu bedeutendem Ausehngelaugt durch das Nachtlager von Granada, das die deutsche Truppe, ver-hungerten Andenkens, gegeben hat. Mir ist der verehrte Meister schon seitmeinen frühesten Jugcndtagen bekannt, wo mich seine Liedercompofitionenentzückten; noch heute tönen sie mir im Gcmiithe, wie singende Wälder mitschluchzenden Nachtigallen und blühender Frllhlingslust. Herr Kreutzer sag!mir, daß er für die Opsra-comique ein Libretto in Musik setzen wird. Mögees ihm gelingen, auf diesem gefährlichen Pfad nicht zu straucheln, und vonden abgefeimten Ro»6s der Pariser Komödiantcnwclt nicht hinters Licht ge-führt zu werden, wie so manchen Deutschen vor ihm geschehen, die sogar denVorzug hatten, weniger Talent als Herr Kreutzer zu besitzen, und jedenfallsleichtfüßiger als letzterer auf dem glatten Boden von Paris sich zu bewegenwußten. Welche traurigen Erfahrungen mußte Herr Richard Wagnermache», der endlich der Sprache der Vernunft und des Magens gehorchend,das gefährliche Projcct, ans der französischen Bühne Fuß zu fassen, klüglichaufgab und nach dem deutschen Kartosfcllaud zurückflattcrte. Vortheilhaftcrausgerüstet im materiellen und industrieusen Sinne ist der alte Dessaucr,welcher, wie er behauptet, im Auftrage der OpSra-comique-Dircction eineOper componirt. Den Text liefert ihm Herr Scribe, dem vorher ein hiesigesBanquierhaus Bürgschaft leistet, daß bei etwaigem Durchfall des altenDessaucr ihm, dem berühmten Librettofabrikanten, eine namhafte Summe alsAbtrittsgeld oder Dcdit ausbezahlt werde. Er hat in der That Recht sich vor-zusehen, da der alte Dessauer, wie er uns täglich vorwimmert, an der Mclan-cholik leidet. Aber wer ist der alte Dessaucr? ES kann doch nicht der alteDessaucr sein, der im siebenjährigen Kriege so viele Lorbeer» gewonnen unddessen Marsch so berühmt geworden, und dessen Statue im Berliner Schloß-garten stand und seitdem umgefallen ist? Nein, thcurcr Leser! Der Des-saucr, von welchem wir reden, hat nie Lorbeeren gewonnen, er schrieb auchkeine berühmten Märsche, und es ist ihm auch keine Statue gesetzt worden,welche umgefallen. Er ist nicht der preußische alte Dessaucr, und dieser Nameist nur ein nom cke xucrrs oder vielleicht ein Spitzname, den man ihm er-thcilt hat, ob seinem ältlichen katzenbucklicht gekrümmten und bcnauten Aus-sehen. Er fst ein alter Jüngling, der sich schlecht conservirt. Er ist nicht ausDessau, im Gcgenthcil er ist aus Prag, wo er im israelitischen Quartier zweigroße reinliche Häuser besitzt; auch in Wien soll er ein Haus besitzen undsonstig sehr vermögend sein. Er hat also nicht nöthig zu componiren, wie diealte Mosson sagen würde. Aber aus Vorliebe für die Kunst vernachlässigteer seine Handlungsgeschäfte, trieb Musik und componirte frühzeitig eine Oper,welche durch edle Beharrlichkeit zur Aufführung gelangte und anderthalb Vor-stellungen erlebte. So wie in Prag suchte der alte Dessaucr auch in Wien