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ohne jene rcnoinmirende Bcngelci, welche die innere Vcrzagniß schlecht ver-hehlt. Die gesunden Weiber lieben ihn. Die kränklichen Frnucn sind ihmnicht mürber hold, obgleich er nicht dnrch epileptische Anfälle auf dem Clavierihr Mitleid in Anspruch nimmt, obgleich er nicht auf ihre überreizt zartenNerven spcculirt, obgleich er sie weder elcktrisirt noch galvanisirt; negative,aber schöne Eigenschaften. ES gicbt nur einen, den ich ihm vorzöge, das istChopin, der aber viel mehr Componist als Virtuose ist. Bei Chopin vergesseich ganz die Meisterschaft des Clavicrspicls, und versinke in die süßen Ab-gründe seiner Musik, in die schmerzliche Lieblichkeit seiner eben so tiefen wiezarten Schöpfungen. Chopin ist der große geniale Tondichter, den maneigentlich nur in Gesellschaft von Mozart oder Beethoven oder Rossini nen-nen sollte.
In dm sogenannten lynschcn Theatern hat es diesen Winter nicht an No-vitäten gefehlt. Die Bnsfos gaben uns Don Pasqualc, ein neues Opus vonSignor Donizetti. Auch diesem Italiener fehlt es nicht an Erfolg, sein Ta-lent ist groß, aber noch größer ist seine Fruchtbarkeit, worin er nur den Kanin-chen nachsteht. In der Op6ra-comiguc sahen wir I-axart clu ckiablo, Textvon Scribe, Musik von Auber; Dichter und Componist passen hier gut zu-sammen, sie sind sich auffallend ähnlich in ihren Vorzügen wie in ihren Män-geln. Beide haben viel Esprit, viel Grazie, viel Erfindung, sogar Leiden-schaft; dem einen fehlt nur die Poesie, wie dem andern nur die Musik fehlt.Das Werk findet sein Publicum und macht immer ein volles Haus.
In der ^oackömls roz-alo eis innsiezno, der großen Oper, gab man dieserTage Karl VI., Text von Casimir Dclavignc, Musik von Halevy. Auch hierbemerken wir zwischen dem Dichter und Componisten eine wahlverwandtc Achn-lichkcit. Sic haben beide dnrch gewissenhaftes edles Streben ihre natürlicheBcgabniß zu steigern gewußt und mehr durch die äußere Zucht der Schuleals dnrch innere Ursprünglichkcit sich herangebildet. Dcßhalb sind sie auchbeide nie ganz dem Schlechten verfallen, wie eS dem Originalgcnic zuweilenbegegnet; sie leisteten immer etwas ErguicklicheS, etwas Schönes, etwas Re-spektables, Akademisches, ClassischcS. Beide sind dabei gleich edle Naturen,würdige Gestalten, und in einer Zeit wo das Gold sich geizig versteckt, wollenwir an dem cnrsircndcn Silber nicht geringschätzend mäkeln. Der fliegendeHolländer von Dietz ist seitdem traurig gescheitert; ich habe diese Oper nichtgehört, nur das Libretto kam mir zu Gesicht, und mit Widerwillen sah ich,wie die schöne Fabel, die ein bekannter deutscher Schriftsteller (H. Heine) fastganz mundgerecht für die Bühne ersonnen, in dem französischen Text verhunztworden.
Als gewissenhafter Berichterstatter muß ich erwähnen, daß unter den deut-schen LandSlcutcn, die hier anwesend, sich auch der vortreffliche Meister Kon-
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