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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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mcr durch eigene Activitat ihre Katastrophe beschleunigt haben. Ja, durchdieselbe fatale Ursache, durch die unermüdliche Aktivität, ist nicht blos Thiersgefallen, sondern auch der stärkere Napoleon, der bis an sein seliges Ende aufdem Throne geblieben wäre, wenn er nur die Kunst des Stillsitzen?, die beiuns den kleinen Kindern zuerst gelehrt wird, besessen hätte! Diese Kunst be-sitzt aber Herr Guizot in einem hohen Grade, er hält sich marmorn still, wieder Obelisk des Luxor, und wird dcßhalb sich länger erhalten als man glaubt.Er thut nichts, und das ist das Gehcimniß seiner Erhaltung. Warum aberthut er nichts? Ich glaube zunächst, weil er wirklich eine gewisse germanischeGemüthsruhc besitzt und von der Sucht der Geschäftigkeit weniger geplagtwird als seine LandSlcute. Oder thut er nichts, weil er so viel versteht? Jemehr wir wissen, je tiefer und umfassender unsrc Einsichten sind, desto schwererwird uns das Handeln, und wer alle Folgen jedes Schrittes immer voraus-sähe, der würde gewiß bald aller Bewegung entsagen und seine Hände nurdazu gebrauchen, um seine eigenen Füße zu binden. Das weiteste Wissenverdammt uns zur engsten Passivität.

Indessen was auch das Schicksal des Ministeriums sein möge laßt unsdie letzten Tage des JahrS, das Gottlob seinem Ende naht, so rcsignirt alsmöglich ertragen! Wenn uns nur der Himmel nicht zum Schluß mit einemneuen Unglück heimsucht! Es war ein schlechtes Jahr, und wäre ich ein Ten-dcnzpoet, ich würde mit meinen mißtönend poltrigsten Versen dem scheidendenJahre ein Charivari bringen. In diesem schlechten schändlichen Jahre hat dieMenschheit viel erduldet uud sogar die BangnierS haben einige Verluste erlit-ten. Welch ein schreckliches Unglück war z. B. der Brand auf der VcrsaillcrEisenbahn! Ich spreche nicht von dem verunglückten Sonntagspublicurn, dasbei dieser Gelegenheit gebraten oder gesotten wnrdc: ich spreche vielmehr vonder überlebenden Sabbathcompagnie, deren Acticn um so viele Proccntc ge-fallen sind und die jetzt dem Ausgang der Processi, die jene Katastrophe her-vorgerufen, mit zitternder Besorgnis? entgegensieht. Werden die Stifter derCompagnie den verwaisten oder verstümmelten Opfern ihrer Gewinnsuchteinigen Schadenersatz gewähren müssen? Es wäre entsetzlich! Diese bckla-gcnswcrthcn Millionaire haben schon so viel eingebüßt, und der Profit vonandern Unternehmungen mag in diesem Jahre das Deficit kaum decken. Dazukommen noch andere Fatalitäten, über die man leicht den Verstand verlierenkann, und an der Börse versicherte man gestern, der Halbbanquicr Läuscdorfwolle zum Christenthum übcrgchn. Andern geht es besser, und wenn auch dierive x-rucliö gänzlich ins Stocken gcricthe, könnten wir uns damit trösten,daß die rivs ckroits desto erfreulicher gedeiht. Auch die südfranzösi scheu Eisen-bahnen, so wie die jüngst conccssionirtcn, machen gute Geschäfte, und wergestern noch ein armes Lümpchcn war, ist heute schon ein reicher Lump. Na-