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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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Soldaten entgegentraten und ihnen zuriefen: wir brauchen keine Kugeln, wirbrauchen Vrod. Die Männer kreuzten crgebungSvoll die Arme und sprachen:den Hunger müßt ihr todtschicßcn, nicht unS und unsere Kinder. Der ge-wöhnliche Schrei war:Schießt nicht, wir sind ja alle Brüder!"

Solche Berufung auf die Fraternität mahnt mich an die französischen Com-munistcn, bei denen ich ähnliche Redeweisen zuweilen vernahm. Diese Rede-weisen, wie ich besonders in Lyon bemerkte, waren durchaus nicht auffallendoder stark gefärbt, weder pikant noch original; im Gegcntheil, es waren dieabgedroschensten, plattesten Gemcinsprüchc, welche der Troß der Communistenim Munde führte. Aber die Macht ihrer Propaganda besteht nicht sowohl ineincm gut formulirtcn Prospcctus von bestimmten Bcklagnissen und bestimm-ten Forderungen, sondern in einem ticfwchmüthigcn und fast sympathetischwirkenden Ton, womit sie die banalsten Dinge äußern, z. B.Wir sind alleBrüder" u. s. w. Der Ton und allenfalls ein geheimer Händedruck bildenalsdann den Commcntar zu diesen Worten und verleihen ihnen ihre wclicr-schüttcrnde Bedeutung. Die französischen Communisten stehen überhaupt aufdemselben Standpunkt mit den englischen Fabrikarbeitern, nur daß der Fran-zose mehr von einer Idee, der Engländer hingegen ganz und gar vom Hungergetrieben wird.

Der Aufruhr in England ist für den Augenblick gestillt, aber nur für denAugenblick; er ist blos vertagt, er wird mit jedesmal gesteigerter Macht aufsneue ausbrechen, und um so gefährlicher, da er immer die rechte Stunde ab-warten kann. Wie aus vielen Anzeichen einleuchtet, ist der Widerstand derFabrikarbeiter jetzt eben so praktisch organisirt wie einst der Widerstand deririschen Katholiken. Die Chartisten haben diese drohende Macht in ihr In-teresse zu ziehen und einigermaßen zu disciplinircn gewußt, und ihre Verbin-dung mit den unzufriedenen Fabrikarbeitern ist vielleicht die wichtigste Erschei-nung der Gegenwart. Diese Verbindung entstand auf sehr einfachem Wege,sie war eine natürliche, obgleich die Chartisten sich gern mit einem bestimmtenProgramm als eine rein politische Partei präscntircn, und die Fabrikarbeiter,wie ich schon oben erwähnt, nur arme Tagelöhner sind, die vor Hunger kaumsprechen können und, gleichgültig gegen alle RegicrungSform, nur das liebeVrod verlangen. Aber das Wort meldet selten den inncrn Hcrzcnsgcdankcneiner Partei, es ist nur ein äußerliches Erkennungszeichen, gleichsam die ge-sprochene Cocarde; der Chartist, der sich auf die politische Frage zu beschrän-ken vorgicbt, hegt Wünsche im Gcmüthc, die mit den vagsten Gefühlen jenerhungrigen Handwerker tief übereinstimmen, und diese können ihrerseits im-merhin das Programm der Chartisten zu ihrem Feldgcschrei wählen, ohne ihreZwecke zu verabsäumen. Die Chartisten nämlich verlangen: erstens, daßdas Parlament nur aus Einer Kammer bestehe und durch alljährliche Wahle»