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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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in jedem Munde und deren unaufhörliche Besprechung nachgerade langweiligwerden dürfte. Ich wundere mich, daß die Franzosen noch nicht darüber dieGeduld verlieren, daß man seit Jahr und Tag, von Morgen bis Abend, be-ständig von diese» beiden Personen schwatzt. Aber im Grunde sind cd ja nichtPersonen, sondern Systeme, von denen hier die Rede ist, Systeme die überallzur Sprache kommen müssen, wo eine Staatscristcnz von außen bedroht ist,überall, in China so gut wie in Frankreich. Nur daß hier Thiers und Guizotgenannt wird, was dort, in China, Lin und Kcschcn heißt. Erstcrcr ist derchinesische Thiers und rcpräscntirt das kriegerische System, welches die hcran-drohende Gefahr durch die Gewalt der Waffen, vielleicht auch nur durchschreckendes Waffengcräusch, abwehre» wollte. Kcschcn hingegen ist der chinesi-sche Guizot, er rcpräscntirt das Fricdcussystcm, und es wäre ihm vielleichtgelungen die rothhaarigcn Barbaren durch kluge Nachgiebigkeit wieder aus demLande hinaus zu complimentircn, wenn die Thiers'sche Partei in Peking nichtdie Oberhand gewonnen hätte. Armer Kcschcn! eben weil wir so fern vomSchauplätze, konnten wir ganz klar einsehen, wie sehr du Recht hattest, denStreitkräfte» des Mittclrcichs zu mißtrauen, und wie ehrlich du es mit deinemKaiser meintest, der nicht so vernünftig wie Ludwig Philipp! Ich habe michrecht gefreut, als dieser Tage die Allgemeine Zeitung berichtete, daß der vor-treffliche Keschcn nicht entzwei gesägt worden, wie es früher hieß, sondern nursein ungeheures Vermögen eingebüßt habe. Letzteres kann dcm,hicsigcn Re-präsentanten des FricdenssystcmS nimmermehr Yassiren; wenn er fällt, kön-nen nicht seine Ncichthllmcr confiscirt werden Guizot ist arm wie eineKirchmaus. Und auch nnscr Lin ist arm, wie ich bereits öfter erwähnt habe;ich bin überzeugt, er schreibt seine Kaisergcschichte hauptsächlich des Geldeswegen. Welch ein Ruhm für Frankreich, daß die beiden Männer, die alleseine Macht verwalteten, zwei arme Mandarinen sind, die nur in ihrem Kopfeihre Schätze tragen!

Die letzten Reden dieser beiden haben Sie gelesen und fanden vielleicht darinmanche Belehrung über die Wirrnisse, welche eine unmittelbare Folge derorientalischen Frage. Was in diesem Augenblick besonders merkwürdig, istdie Milde der Russen, wo von Erhaltung des türkischen Reichs die Rede. Dereigentliche Grund aber ist, daß sie factisch schon den größten Theil desselbenbesitzen. Die Türkei wird allmählich russisch ohne gewaltsame Occupatio».Die Russen befolgen hier eine Methode, die ich nächstens einmal beleuchtenwerde. Es ist ihnen um die reelle Macht zu thun, nicht um den bloßen Scheinderselben, nicht um die byzantinische Titulatur. Konstantinvpel kann ihnennicht entgehen, sie verschlingen es sobald es ihnen paßt. In diesem Augen-blick aber paßt es ihnen noch nicht, und sie sprechen von der Türkei mit einersüßlichen, fast hcrrcnhutischcn Friedfertigkeit. Sie mahnen mich an die Fabel