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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Ich werde nie den Tag vergessen, wo ich daS Originalgcmäldc, die Fischervon Robert, znm erstcnmalc sah. Wie ein Blitzstrahl aus unumwölktcmHimmel hatte uns plötzlich die Nachricht seines Todes getroffen, und da jenesBild, welches gleichzeitig anlangte, nicht mehr im bereits eröffneten Salonausgestellt werden konnte, faßte der Eigenthümcr, Hr. Paturle, den löblichenGedanken, eine besondere Ausstellung desselben zum Besten der Armen zuveranstalten. Der Mairc des zweiten Arondissemcnts gab dazu sein Local,und die Einnahme, wenn ich nicht irre, betrug Uber sechszehn tausend Franken.(Mögen die Werke aller Volksfrcundc so praktisch nach ihrem Tode fortwir-ken !) Ich erinnere mich, als ich die Treppe der Maine hinaufstieg, um zu demExpositionSzimmcr zu gelangen, las ich auf einer Nebenthüre die Aufschrift:Luraau (los cküllds. Dort im Saale standen sehr viele Menschen vor dem Bildeversammelt, keiner sprach, cS herrschte eine ängstliche, dumpfe Stille, als lägehinter der Leinwand der blutige Leichnam des todtcn Malers. Was war derGrund, weshalb er sich eigenhändig den Tod gab, eine That, die im Wider-spruch war mit den Gesetzen der Religion, der Moral und der Natur, heiligenGesetzen, denen Robert sein ganzes Leben hindurch so kindlich Gehorsam lei-stete? Ja, er war erzogen im schweizerisch strengen Protestantismus, erhieltfest an diesem väterlichen Glauben mit unerschütterlicher Treue, und von reli-giösem SkcpticiSmuS oder gar ZndiffercntismuS war bei ihm keine Spur.Auch ist er immer gewissenhaft gewesen in der Erfüllung seiner bürgerlichenPflichten, ein guter Sohn, ein guter Wirth, der seine Schulden bezahlte, derallen Vorschriften des AnstandcS genügte, Nock und Hut sorgsam bürstete,und von Jmmoralität kann ebenfalls bei ihm nicht die Rede sein. An derNatur hing er mit ganzer Seele, wie ein Kind an der Brust der Mutter; sietränkte sei» Talent und offenbarte ihm alle ihre Herrlichkeiten, und nebenbeigesagt, sie war ihm lieber als die Tradition der Meister: ein übcrschwänglichcSVersinken in den süßen Wahnwitz der Kunst, ein unheimliches Gelüste nachTraumwcltgcniisscn, ein Abfall von der Natur, hat also ebenfalls den vor-trefflichen Mann nicht in den Tod gelockt. Auch waren seine Finanzen wohl-bcstcllt, er war geehrt, bewundert und sogar gesund. Was war es aber? Hierin Paris ging einige Zeit die Sage, eine unglückliche Leidenschaft für einevornehme Dame in Rom habe jenen Selbstmord veranlaßt. Ich kann nichtdaran glauben. Robert war damals achtunddreißig Jahre alt, und in diesemAlter sind die Ausbrüche der großen Passion zwar sehr furchtbar, aber manbringt sich nicht um, wie in der frühen Jugend, in der unmännlichen Wcrthcr-Periode.

Was Robert aus dem Leben trieb, war vielleicht jenes entsetzlichste allerGefühle, wo ein Künstler das Mißverhältnis; entdeckt, das zwischen seinerSchöpfungSlust und seinem DarstellungSvermögcn stattfindet: dieses Bewußt-