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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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37.

Paris, den lt. Dccembcr 1811.

Jetzt, wo das Neujahr herannaht, der Tag der Geschenke, überbieten sichhier die KaufmannSläden in den mannichfaltigstcn Ausstellungen. Der An-blick derselben kann dem müßigen Flaneur den angenehmsten Zeitvertreib ge-wahren; ist sein Hirn nicht ganz leer, so steigen ihm auch manchmal Gedan-ken aus, wenn er hinter den blanken Spiegclsenstcrn die bunte Fülle der aus-gestellten Lurns- und Kunstsachcn betrachtet und vielleicht auch einen Blickwirft auf das Publicum, das dort neben ihm steht. Die Gesichter diesesPublicumS sind so häßlich ernsthaft und leidend, so ungeduldig und drohend,daß sie einen unheimlichen Contrast bilden mit den Gegenständen, die sie be-gaffen, und uns die Angst anwandelt, diese Menschen möchten einmal mitihren geballten Fäusten plötzlich drein schlagen, und all das bunte, klirrendeSpielzeug der vornehmen Welt mit stimmt dieser vornehmen Welt selbst garjämmerlich zertrümmern! Wer kein großer Politiker ist, sondern ein gewöhn-licher Flaneur, der sich wenig kümmert um die Nuance Dufaure und Passp,sondern um die Miene des Volks auf den Gassen, dem wird es zur festenUebcrzcngung, daß früh oder spät die ganze Bllrgcrkomödie in Frankreich mitsammt ihren parlamentarischen Hcldcnspiclcrn und Comparsen ein ausgezischtschreckliches Ende nimmt und ein Nachspiel aufgeführt wird, welches das Com-munistenrcgimcnt heißt! Von langer Dauer freilich kann dieses Nachspielnicht sein; aber es wird um so gewaltiger die Gemiithcr erschüttern und reini-gen : es wird eine echte Tragödie sein.

Die letzten politischen Processi dürften manchem die Augen öffnen, aber dieBlindheit ist gar zu angenehm. Auch will keiner an die Gefahren erinnertwerden, die ihm die süße Gegenwart verleiden können. Deshalb grollen sie allejenem Manne, dessen strenges Auge am tiefsten hinabblickt in die Schrcckens-nächte der Zukunft und dessen hartes Wort vielleicht manchmal zur Unzeit,wenn wir eben beim fröhlichsten Mahle sitzen, an die allgemeine Bedrohnißerinnert. Sie grollen Alle jenem armen Schulmeister Guizot. Sogar diesogenannten Conservativcn sind ihm abhold, zum größten Theil, und in ihrerVerblendung glaube» sie ihn durch einen Mann ersetzen zu können, dessen hei-teres Gesicht und gefällige Rede sie minder schreckt und ängstigt. Ihr kon-servativen Thoren, die Ihr nichts im Stande seid zu conserviren als ebenEure Thorheit, Ihr solltet diesen Guizot wie Euren Augapfel schonen; Ihrsolltet ihm die Mücken abwedeln, die radicalen sowohl wie die legitimen, umihn bei guter Laune zu erhalten; Ihr solltet ihm auch manchmal Blumenschicken ins Hotel des CapucinS, aufheiternde Blumen, Rosen und Veilchen,