reinliche Nachdrücke der vorzüglichsten Geiger, die Texte hie und da verbrämtmit überflüssigen Originalnotcn und vermehrt mit brillanten Druckfehlern. —Die Gebrüder Franco-Mcndcz, welche auch dieses Jahr Conccrte gaben, wosie ihr Talent als Violinspicler bewährten, stammen ganz eigentlich ans demLande der Treckschuptcn und QniSpeldorchen. Dasselbe gilt von Batta, demVioloncellisten; er ist ein gcborncr Holländer, kam aber früh hiehcr nach Paris,wo er durch seine knabenhafte Jugendlichkeit ganz besonders die Damen er-götzte. Er war ein liebes Kind und weinte auf seiner Bratsche wie ein Kind.Obgleich er mittlerweile ein großer Junge geworden, so kann er doch die süßeGewohnheit des Greincns nimmermehr lassen, und als er jüngst wegen Un-päßlichkeit nicht öffentlich auftreten konnte, hieß cS allgemein: durch das kin-dische Weinen auf dem Violoncello habe er sich endlich eine wirkliche Kinder-krankheit, ich glaube die Masern, an den Hals gespielt. Er scheint jedochwieder ganz hergestellt zu sein, und die Zeitungen melden, daß der berühmteBatta nächsten Donnerstag eine mnsikalischc Matinöe bereite, welche das Pu-blicum für die lange Entbchrniß seines Lieblings entschädigen werde.
Das lchtc Conccrt, welches Hr. Maurice Schlesinger den Abonnenten seinerGazette musicalc gab, und das, wie ich bereits angedeutet habe, zu den glän-zendsten Erscheinungen der Saison gehörte, war für uns Deutsche von ganzbesonderem Interesse. Auch war hier die ganze Landsmannschaft vereinigt,begierig, die Madcmoiselle Löwe zu hören, die gefeierte Sängerin, die dasschöne Lied von Beethoven, Adelaide, in deutscher Zunge sang. Die Italie-ner und Herr VicurtempS, welche ihre Mitwirkung versprochen, ließen wäh-rend des Conccrts absagen, zur größten Bestürzung des Conrcrtgebcrs, welcher mitder ihm eigcnthümlichcn Würde vorS Publicum trat und erklärte: Hr. Vicur-tempS wolle nicht spielen, weil er das Local und das Publicum als seiner nichtangemessen betrachte! Die Insolenz jenes Geigers verdient die größte Rüge.Das Local des Couccrtcs war der Musard'schc Saal der Ruc Vivienne, woman nur während des CarncvalS ei» Bischen Cancan tanzt, jedoch daS übrigeJahr hindurch die anständigste Musik von Mozart, Giacomo Mcpcrbccr undBeethoven crecutirt. Den italienischen Sängern, einem Signor Rubini undSignor Lablache, verzeiht man allenfalls ihre Laune; von Nachtigallen kannman sich wohl die Prätcnsion gefallen lassen, daß sie nur vor einem Publicumvon Goldfasanen und Adlern singen wollen. Aber Mpnhccr, der flämischeStorch, dürfte nicht so wählig sein und eine Gesellschaft verschmähen, worun-ter sich das honncttestc Geflügel, Pfauen und Perlhühner die Menge, undmitunter auch die ausgezeichnetsten deutschen Schnapphähnc und Mistfinkenbefanden. — Welcher Art war der Erfolg des Debüts der Madcmoiselle Löwe?Ich will die ganze Wahrheit kurz aussprechen: sie sang vortrefflich, gefiel allenDeutschen und machte Fiasco bei den Franzosen.