Woher aber kommt es, daß solche Emeutc aller aristokratischen Interessenimmer im englischen Volke so vielen Anklang fand ? Der Grunv liegt darin,daß erstens das ganze englische Volk, die Gentry eben so gut wie die KiZIinobilit^, und der Mob eben so gut wie jene, von sehr aristokratischer Gesin-nung sind, und zweitens weil immer im Herzen der Engländer eine geheimeEifersucht, wie ein böses Geschwür, juckt und eitert, sobald in Frankreich einbehaglicher Wohlstand cmporblüht, sobald die franzosische Industrie durch denFrieden gedeiht, und die französische Marine sich bedeutend ausbildet.
Namentlich in Beziehung auf die Marine wird den Engländern die gehäs-sigste Mißgunst zugeschrieben, und in de» französischen Häfen zeigt sich wirklicheine EntWickelung von Kräften, die leicht den Glauben erregt, die englischeSeemacht in einiger Zeit von der französischen überflügelt zu sehen. Erste«ist seit zwanzig Jahren stationair geblieben, statt daß letztere im thätigstcnFortschritt begriffen ist. Ich habe in einem früheren Briese bereits bemerkt,wie im Arsenal zu Toulon der Bau der Kriegsschiffe so eifrig betrieben wor-den, daß im Fall eines Krieges binnen kurzer Frist fast doppelt so viel Schiffe,wie Frankreich lklä besitzen durfte, in See stechen können. Ein LeipzigerTagesblatt widersprach dieser Behauptung in einer ziemlich derben Weise; ichkann nur die Achsel darüber zucken, denn dergleichen Angaben schöpfe ich nichtaus bloßem Hörensagen, sondern aus der unmittelbarsten Anschauung. InCherbourg, wo ich mich vor acht Tagen befand (ein gut Stück französischerMarine plätschert dort im Hafen), versicherte man mir, daß zu Brest ebenfallsdoppelt so viele Kriegsschiffe befindlich wie früher, nämlich über fünfzehnLinienschiffe, Fregatten und Briggs, von der anständigsten Kanoncnzahl,theils ganz, theils bis auf einige fertig gebaut und ausgerüstet. In vierWochen werde ich Gelegenheit haben, sie persönlich kennen zu lernen. Bisdahin begnüge ich mich zu berichten, daß eben so wie hier, in der Kasse blor-manckie, auch an der brctonischcn Küste unter dem Scevolke die kricgsmuthigsteAufregung herrscht, und die ernsthaftesten Vorbereitungen zum Kriege gemachtwerden.
Ach Gott! nur kein Krieg! Ich fürchte, daß das ganze französische Volk,wenn man es hart bedränge, jene rothe Mühe wieder hervorholt, die ihm nochweit mehr als das dreieckige bonapartistische Wünschclhntchcn das Haupt er-hitzen dürfte! Ich möchte hier gern die Frage aufwcrfen, in wie weit diedämonischen Zerstörungskräfte, die jenem alten Talisman in Frankreich ge-horchen, auch im Auslande sich geltend machen könnten? Es wäre wichtig zuuntersuchen, von welcher Bedeutung die Gewalten sind, die einem Zaubcr-mittcl zugeschrieben werden, wovon die französische Presse in der jüngsten Zeitunter dem Namen „Propaganda" so gcheimnißvoll und bcdrohsam flüsterteund zischelte? Ich muß mich aus leicht begreiflichen Gründen aller solchen