— 263 —
voraussehen konnte, daß die Convention wegen Aegypten die Franzosen aufsäußerste beleidigen müsse. Es sei in der That, gestehen die Engländer, eineBeleidigung von Seiten Englands, aber es sei keine Verrätherei: denn Frank-reich habe seit langer Zeit darum gewußt, daß man Mchemet Ali aus Syrienmit Gewalt verjagen wolle; das französische Ministerium sei hiermit ganz ein-verstanden gewesen; es habe selber in Betreff jener Provinz eine sehr zweideu-tige Rolle gespielt; die geheimen Lenker der syrischen Revolte seien Franzosen,deren katholischer Fanatismus nicht in Downing-Strect, sondern ans demBoulevard des Capucins allerlei aufmunternde Sympathien finde; bereitsm der Geschichte von den gefolterten Juden zu Damascus habe sich das fran-zösische Ministerium zu Gunsten der katholischen Partei sehr compromittirt;schon bei dieser Gelegenheit habe Lord Palmerston seine Mißachtung des fran-zösischen Premierministers hinlänglich beurkundet, indem er den Behauptun-gen desselben öffentlich widersprach u. s. w. — Wie dem auch sei, Lord Pal-merston hätte voraussehen können, daß die Convention nicht ausführbar ist,und daß also die Franzosen unnützcrweise in Harnisch gesetzt würden, wasimmerhin seine gefährlichen Folgen haben kann. Je länger wir darüber nach-denken, desto mehr wundern wir uns über das ganze Ereigniß. Es gibt hierMotive, die uns bis jetzt noch verborgen sind, vielleicht sehr feine, staatsklugeMotive — vielleicht auch sehr einfältige.
Ich habe oben >der Geschichte von Damascus erwähnt. Diese findet hierroch immer viel Besprechung, namentlich bildet sie einen stehenden Artikel imllniverS, dem Organ der ultramontanen Priesterpartci. Eine geraume Zeithindurch hat dieses Journal alle Tage einen Brief aus dem Orient mitgethcilt.Da nur alle acht Tage das Dampfboot aus der Levante anlangt, so sind wirhier um so mehr an ein Wunder zu glauben geneigt, als wir ohnehin durchdie Damasccner Vorgänge in die Mirakelzeit des Mittelalters zurückversetztsind. Ist es doch schon ein Wunder, daß die aus der Luft gegriffenen Nach-richten des Univcrs in Frankreich einigen Anklang finden! Ja, es ist nicht zuläugncn, ein großer Theil der Franzosen ist nicht abgeneigt, dem blutigen Un-glimpf Glauben zu schenken und die obskursten Erfindungen der Pfaffcnliststoßen hier auf sehr lauen Widerspruch. Verwundert fragen wir uns: ist dasFrankreich, die Hcimath der Aufklärung, das Land, wo Voltaire gelacht undRousseau geweint hat? Sind das die Franzosen, die einst der Göttin derVernunft in Notrcdamc huldigten, allen Pricstertrug abgeschworen und sichals die Nationalseindc des Fanatismus in der ganzen Welt proclamirtcn?Wir wollen ihnen nicht Unrecht thun: eben weil ein blinder Zorn gegen allenAberglauben sie noch beseelt, eben weil sie, alte Kinder des 18. Jahrhunderts,allen Religionen die infamsten Unthatcn zutrauen, hielten sie auch die Beken-ner des JuvenihumS fähig dergleichen begangen zu haben und ihre Icichjstnni-
Hrlnc, VI,