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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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nein, großer Geschichtschreiber und sehr kleiner Theolog, im Morgenland ebenso wenig wie im Abendland erlaubt das alte Testament seinen Bekenner«! solcheschmutzige Atzung, der Abscheu der Juden vor jedem Blutgenuß ist ihnen ganzeigenthiimlich, er spricht sich ans in den ersten Dogmen ihrer Religion, in allenihren SanitätSgesctzcn, in ihren Rcinignngsceremonie», in ihrer Grundan-schauung vom Reinen und Unreinen, in dieser tiessinnig coSmogonischcn Of-fenbarung über die materielle Reinheit in der Thicrwclt, welche gleichsam einephysische Ethik bildet und von Paulus, der sie als eine Fabel verwarf, keines-wegs begriffen worden. Nein, die Nachkömmlinge Israels, des reinen aus-erlesenen Priestervolks, sie essen kein Schweinefleisch, auch keine alte Franzis-caner, sie trinken kein Blut, eben so wenig wie sie ihren eigenen Urin trinken,gleich der heiligen Elisabeth, Urmuhme des Grasen Montalcmbert.

Was sich bei jener Damasccner Blutsrage am betriibsamstcn herausstellte,ist die Unkenntniß der morgenländischen Zustände, die wir bei dem jetzigenPräsidenten des Conseils bemerken, eine brillante Unwissenheit, die ihn einstzu den bedenklichsten Mißgriffen verleiten durfte, wenn nicht mehr jene kleinesyrische Blutfragc, sondern die weit größere Weltblutsrage, jene fatale, vcr-hängnißvolle Frage, welche wir die orientalische nennen, eine Lösung oder An-stalten zur Lösung erfordern möchte. Das Urtheil des Herrn Thiers ist ge-wöhnlich richtig, aber seine Prämissen sind oft ganz falsch, ganz ans der Luftgegriffen, Phantasmen, ausgeheckt im fanatischen Sonnenbrand der Klösterdes Libanons und ähnlicher Spelunken des Aberglaubens. Tie ultramon-tane Partei liefert ihm seine Emissäre, und diese berichten ihm Wunderdingeüber die Macht der römisch-katholischen Christen im Oriente, während docheine Schildcrhebung jener miserablen Lateiner wahrhaftig keinen türkischenHund aus seinem fatalistischen Ofcnloch locken würde. Herr Thiers meint,daß Frankreich, der traditionelle Glaubensvogt jener Lateiner, einst durch siedie Oberhand im Orient gewinnen könne. Da sind die Engländer viel besserunterrichtet; sie wissen, daß diese armseligen Nachzügler des Mittelalters,die in der Civilisation mehre Jahrhunderte zurückgeblieben, noch viel versunke-ner sind, als ihre Herren, die Türken, und daß vielmehr die Bekenner des grie-chischen Symbols beim Sturz des osmannischen Reiches, und noch vorher,den Ausschlag geben könnten. Das Oberhaupt dieser griechischen Christenist nicht der arme Schelm, der den Titel Patriarch von Konstantinopel führt,und dessen Vorgänger dort schmachvoll zwischen zwei Hunden ausgehängt wor-den nein, ihr Oberhaupt ist der allmächtige Czar von Rußland, der Kaiserund Papst aller Bekenner des allein heiligen, orthodorcn, griechischen Glau-bens; er ist ihr geharnischter Messias, der sie befreien soll vom Joch derUngläubigen, der Kanonendonnergott, der einst sein Siegesbanncr aufpflanzenwerde auf die Thürme der großen Moschee von Byzanzja, das ist ihr poli-