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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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würde. Ja, sobald man sich entfernt von der Discussion der Tagcsintercsscn,den sogenannten Actualitätcn, sobald man Ideen zu entwickeln hat, die denbanalen Partcifragen fremd sind, sobald man etwa nur die Sache der Mensch-heit besprechen wollte, würden die Redakteure der hiesigen Journale einensolchen Artikel mit ironischer Höflichkeit zurückweisen; und da man hier nurdurch die Journale oder durch ihre annoncircnde Vermittlung mit dem Publi-cum reden kann, so ist die Charte, die jedem Franzosen die Veröffentlichungseiner Gedanken durch den Druck erlaubt, eine bittere Verhöhnung für genialeDenker und Weltbürger, und factisch existirt für diese durchaus keine Preß-frciheit: est», u'gutrs xas ckans l'ickßs cko irotre journal.

Vorstehende Andeutungen befördern vielleicht das Verständniß mancherunbegreiflichen Erscheinungen, und ich überlasse cS dem deutschen Leser, allerleimißliche Belehrung daraus zu schöpfen. Zunächst aber mögen sie zur Aus-klärung dienen, weshalb die französische Presse in Betreff der Juden von Da-mascus nicht so unbedingt sich zu Gunsten derselben aussprach, wie man ge-wiß in Deutschland erwartete. Ja, der Berichterstatter der Leipziger Zeitungund der kleineren norddeutschen Blätter hat sich keine direkte Unwahrheit zuSchulden kommen lassen, wenn er frohlockend rcserirtc, daß die französischePresse bei dieser Gelegenheit keine sonderliche Sympathie für Israel an denTag legte. Aber die ehrliche Seele hütete sich wohlweislich, den Grund dieserErscheinung aufzudecken, der ganz einfach darin besteht, daß der Präsident desMinister-ConseilS, Herr Thiers, von Anfang an für den Grafen Ratti-Mcnton, den französischen Consul in Damascus, Partei genommen und denRcdactcurcn aller Blätter, die jetzt unter seiner Botmäßigkeit stehen, in dieserAngelegenheit seine Ansicht kund gegeben. Es sind gewiß viele honnette undsehr honnette Leute unter diesen Journalisten, aber sie gehorchen jetzt mit mili-tairischcr Disciplin dem Commando jenes Generalissimus der öffentlichenMeinung, in dessen Vorcabinct sie sich jeden Morgen zum Empfang der Ordredu Jour zusammen befinden und gewiß ohne Lachen sich einander nicht an-sehen können; französische Haruspiccs können ihre Lachmuskeln nicht so gutbeherrschen, wie die römischen, von denen Cicero spricht. In seinen Morgen-andicnzcn versichert Herr Thiers mit der Miene der höchsten Ueberzeugung, essei eine ausgemachte Sache, daß die Juden Christcnblut am Paschafeste söffen,ebaeuu ü sou goüt, alle Zeugenaussagen hätten bestätigt, daß der Rabbinervon Damascus den Pater Thomas abgeschlachtet und sein Blut getrunken,das Fleisch sei wahrscheinlich von geringem Synagogcnbcamtcn verschmaustworden; da sähen wir einen traurigen Aberglauben, einen religiösen Fa-natismus, der noch im Oriente herrschend sei, während die Juden des Occi-dcnts viel humaner und aufgeklärter geworden und mancher unter ihnen sichdurch Vorurthcilslosigkcit und einen gebildeten Geschmack auszeichne, z. B.

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