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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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und die Interessen wußte er zu vermitteln, nicht die Ideen, und das war seingroßer Fehler und auch der Grund seines Sturzes. Wird Herr Thiers den-selben Mißgriff begehen ? Wir fürchten es fast. Herr Thiers kann sprechenvom Morgen bis Mitternacht, nncrmiidct, immer neue glänzende Gedanken,immer neue Geistesblitze hervorsprühcnd, den Zuhörer ergötzend, belehrend,blendend, man möchte sagen, ein gesprochenes Feuerwerk. Und dennoch be-greift er mehr die materiellen als die idealen Bedürfnisse der Menschheit: erkennt den letzten Ring nicht, womit die irdische» Erscheinungen an den Him-mel gekettet sind: er hat keinen Sinn für große sociale Institutionen.

4.

Paris, den lw. April 18äl).

Erzähle mir, was du heute gesäet hast, und ich will dir voraussagen, wasdu morgen ernten wirst!" An dieses Sprichwort des kernichtcn Sanchodachte ich dieser Tage, als ich im Fanbourg Saint-Marccan einige Ateliersbesuchte und dort entdeckte, welche Lectiirc unter den Ouvriers, dem kräftigstenTheile der untern Classe, verbreitet wird. Dort fand ich nämlich mehre neueAusgaben von den Reden des alten Robespicrre, auch von Marat'S Pam-phleten, in Lieferungen zu zwei Sous, die Rcvolutionsgcschichte des Cabct,Cormcnin's giftige Libelle, Babocuf's Lehre und Verschwörung von Buona-rotti, Schriften, die wie nach Blut rochen; und Lieder hörte ich singen, diein der Hölle gedichtet zu sein schienen, und deren Refrains von der wildestenAufregung zeugten. Nein, von den dämonischen Töne», die in jenen Liedernwalten, kann man sich in unserer zarten Sphäre gar keinen Begriff machen;man muß dergleichen mit eigenen Ohren angehört haben, z. B. in jenen Un-geheuern Werkstätten, wo Metalle verarbeitet werden, und die halbnacktentrotzigen Gestalten während des Singens mit dem großen eisernen Hammerden Tact schlagen auf dem dröhnende» Amboß. Solches Accompagncmcntist vom größten Effect, so wie auch die Beleuchtung, wenn die zornigen Funkenaus der Esse hcrvorspruhen. Nichts als Leidenschaft und Flamme!

Eine Frucht dieser Saat, droht aus Frankreichs Bode» früh oder spät dieRepublik hervorzubrechen. Wir müssen, in der That, solcher BefürchtungRaum geben; aber wir sind zugleich überzeugt, daß jenes republikanische Re-giment nimmermehr von langer Dauer sein kann in der Hcimath der Co-quettcrie und der Eitelkeit. Und gesetzt auch, der Nationalcharakter derFranzosen wäre mit dem Rcpublikanismus ganz vereinbar, so könnte doch dieRepublik, wie unsere Radikalen sie träumen, sich nicht lange halten. In demLebenöprincip einer solchen Republik liegt schon der Keim ihres frühen Todes;