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Der König wird jetzt seine große Noth haben, die Antipathie, welche diefremden Machte gegen Thiers hegen, zu beschwichtigen. Dieses Buhlen nachdem Beifall der letzter» ist eine thörichte Jdiosyncrasie. Er meint, daß vondem äußern Frieden auch die Ruhe seines Inlands abhänge, und er schenktdiesem nur geringe Aufmerksamkeit. Er, vor dessen Augenzwinkern alle Tra-jane, Titusse, Mark-Aurele und Antvninc dieser Erde, den Großmogul miteingerechnet, zittern müßten, Er dcmüthigt sich vor ihnen wie ein Schulbubund jammert: „schonet meiner! verzeiht mir, daß ich so zu sagen den franzö-sischen Thron bestiegen, daß das tapferste und intelligenteste Volk, ich will sagen36 Millionen Unruhestifter und Gottcsläugncr mich zu ihrem König gewählthaben. — Verzeiht mir, daß ich mich verleiten ließ, aus den verruchten Hän-den der Rebellen die Krone und die dazu gehörigen Kronjuwclen in Empfangzu nehmen — ich war ei» unerfahrenes Gemüth, ich hatte eine schlechte Erzie-hung genossen von Kind an, wo Frau von Gcnlis mich die Menschenrechtebuchstabiren ließ — bei den Jakobinern, die mir den Ehrenposten eines Thllr-stehers anvertrauten, habe ich auch nicht viel Gutes lernen können — ich wurdedurch schlechte Gesellschaft verführt, besonders durch den Marquis de Lafayctte,der aus mir die beste Republik machen wollte — ich habe mich aber seitdem ge-bessert, ich bereue meine jugendlichen Verirrungen, und ich bitte Euch, verzeihtmir aus christlicher Barmherzigkeit — und schenket mir den Frieden !" Nein, sohat sich Ludwig Philipp nicht ausgedrückt, denn er ist stolz und edel und klug,aber daS war doch immer der kurze Sinn seiner langen Reden und noch län-ger» Briefe, deren Schriftzllgc, als ich sie jüngst sah, mir höchst originell er-schienen. Wie man gewisse Schriftzügc„Flicgenpfötchen" (pattssäs mouabe)nennt, so könnte man die Handschrift Ludwig Philipp's „Spinncnbcine" be-namsen ; sie ähneln ncmlich den hagcrdünncn und schattcnartig langen Beinender sogenannten Schnciderspinneu, und die hochgesteckten und zugleich äußerstmagern Buchstaben machen einen fabelhaft drolligen Eindruck.
Selbst in der nächsten Umgebung des Königs wird seine Nachgiebigkeit gegendas Ausland getadelt; aber niemand wagt, irgend eine Rüge laut werden zulassen. Dieser milde, gutmllthige und hausvätcrliche Ludwig Philipp fordertim Kreise der Seinen einen eben so blinden Gehorsam, wie ihn der wllthendstcTyrann jemals durch die größten Grausamkeiten erlangen mochte. Ehrfurchtund Liebe fesselt die Zunge seiner Familie und Freunde; daS ist ein Mißge-schick, und es könnten wohl Fälle eintreten, wo dem königlichen Einzelwillcnirgend ein Einspruch und sogar offener Widerspruch heilsam sein dürfte. Selbstder Kronprinz, der verständige Herzog von Orleans, beugt schweigend dasHaupt vor dem Vater, obgleich er seine Fehler einsieht und traurige Con-flictc, ja eine entsetzliche Katastrophe zu ahnen scheint. Er soll einst zu einemVertrauten gesagt haben, er sehne sich nach einem Kriege, weil er lieber in den