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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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t.

Paris, den 25. Febrauar 1840.

Jc näher man der Person des Königs steht und mit eigenen Augen dasTreiben desselben beobachtet, desto leichter wird man getäuscht über die Motiveseiner Handlungen, über seine geheimen Absichten, über sein Wollen und Stre-ben. In der Schule der Nevolutionsmänncr hat er jene moderne Schlauheiterlernt, jenen politischen Jcsuitismus, worin die Jakobiner manchmal die Jün-ger Loyola'S übertrafen. Zu diesen Errungenschaften kommt noch ein Schahangecrbter VcrstellungSkunst, die Tradition seiner Vorfahren, der französischenKönige, jener ältesten Söhne der Kirche, die immer weit mehr als andereFürsten durch das heilige Oel von Rheims geschmeidig worden, immer mehrFuchs als Löwe waren, und einen mehr oder minder priestcrlichcn Charakteroffenbarten. Zu der angelernte» und überlieferten simulatio und clissiinulatiogesellt sich noch eine natürliche Anlage bei Ludwig Philipp, so daß es fast un-möglich ist, durch die wohlwollende dicke Hülle, durch das lächelnde Fleisch, diegeheimen Gedanken zu erspähen. Aber gelänge es auch, bis in die Tiefe desköniglichen Herzens einen Blick zu werfen, so sind wir dadurch noch nicht weitgefördert, denn am Ende ist eine Antipathie oder Sympathie in Bezug aufPersonen nie der bestimmende Grund der Handlungen Ludwig Philipp's, ergehorcht nur der Macht der Dinge (In koroo ckos odoses), der Nothwendigkcit.Alle subjektive Anregung weist er fast grausam zurück, er ist hart gegen sichselbst, und ist er auch kein Selbstherrscher, so ist er doch ei» Beherrscher seinerselbst; er ist ein sehr objektiver König. Es hat daher wenig politische Bedeu-tung, ob er etwa den Guizot mehr liebt oder weniger als den Thiers; er wirdsich des einen oder des andern bedienen, jc nachdem er den einen oder andernnöthig hat, nicht früher, nicht später. Ich kann daher wirklich nicht mit Ge-wißheit sagen, wer von diesen zwei Männern dem König am angenehmstenoder am unangenehmsten sei. Ich glaube, ihm mißfallen sie alle beide, undzwar aus Mctiörncid, weil er ebenfalls Minister ist, in ihnen seine beständigenNebenbuhler sieht, und am Ende fürchtet, man könnte ihnen eine größere po-litische Capacität zutrauen als ihm selber. Man sagt, Guizot sage ihm mehrzu, als Thiers, weil jener eine gewisse Nnpopularität genießt, die dem Königegefällt. Aber der puritanische Zuschnitt, der lauernde Hochmuth, der doktri-näre Belchrungston, das cckig-calvinistische Wesen Guizot's kann nicht an-ziehend auf den König wirken. Bei Thiers stößt er aus die entgegengesetzten

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