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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Heute ist der Namenstag des jungen Heinrich, und man erwartet einigekarlistische Erccsse. Eine Proklamation zu Gunsten Heinrichs V. wurde ge-stern Abend durch Chiffoniers und verkleidete Priester verbreitet. Es heißtdarin, er werde Frankreich glücklich machen und vor der fremden Invasion be-schuhen; nächstes Jahr ist er mündig, indem nämlich die französischen Königeschon mit 13 Jahren mündig werden und ihre höchste Ausbildung erlangt ha-ben. Auf jener Proklamation ist der junge Heinrich zum erstenmal dargestelltmit Scepter und Krone; bisher sah man ihn immer in der Tracht eines Pil-gers oder eines Bcrgschotten, der Felsen erklimmt oder einer armen Bcttclfrauseine Börse in die Hand drückt u. f. w. Es ist jedoch von dieser Misere wenigBedrohliches zu erwarten. Die Karlisten sind auch sehr niedergeschlagenenMuthcs. Die Tollkühnheit der Herzogin von Bcrry hat ihnen viel geschadet.Vergebens hatten die Häupter der Pariser Karlistcn den Herrn Berrycr andie Herzogin abgeschickt, um sie zur Heimkehr nach Hvlyrood zu vermögen.Vergebens hat Ludwig Philipp durch seine Agenten dasselbe zu bewirken ge-sucht. Vergebens wurde sie von fremden Gesandten um Gottes willen be-schworen, ihr Treiben für den Augenblick aufzugeben. Alle Vcrnunstgründc,Drohungen und Bitten haben diese halsstarrige Frau nicht zur Abreise bewe-gen können. Sie ist noch immer in der Vendöe. Obgleich aller Mittel ent-blößt und nirgends mehr Unterstühung findend, will sie nicht weichen. DerSchlüssel des Räthscls ist; daß dumme oder kluge Priester sie fanatisirt undihr eingeredet haben, es werde ihrem Kinde Segen bringen, wenn sie jcht fürdessen Sache stürbe. Und nun sucht sie den Tod mit religiöser Martprsuchtund schwärmerischer Mutterliebe.

Wenn sich hier auf den öffentlichen Plätzen keine Bewegungen zeigen, sobekundet sich desto mehr Unruhe in der Gesellschaft. Zunächst sind es diedeutschen Angelegenheiten, die Beschlüsse des Bundestags, welche alle Geisteraufgeregt. Da werden nun über Deutschland die unsinnigsten Urthcile ge-fällt. Die Franzosen in ihrem leichtfertigen Jrrthume meinen, die Fürstenunterdrückten die Freiheit und sie sehen nicht ein, daß nur der Anarchie unterden deutschen Liberalen ein Ende gemacht werden soll, und daß überhaupt dieEinigkeit und das Heil des deutschen Volks befördert wird. Schon den zwei-ten Junius hat der Tcmps von den sechs Artikeln dcS BnndestagsbcschlusseSeine Jnhaltsanzeigc geliefert. Ein bekannter Pietist hatte hier noch früherAuszüge jenes Beschlusses in der Tasche herumgetragen, und durch die Mit-thcilung derselben viele Herzen erbaut.

Ludwig Philipp ist noch immer der Meinung, daß er stark sei. Seht wiestark wir sind! ist in den Tuilleric» der Refrain jeder Rede. Wie ein Kran-ker immer von Gesundheit spricht, und nicht genug zu rühmen weiß, daß ergut verdaue, daß er ohne Krämpfe auf den Beinen stehen könne, daß er ganz