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Zcrwürfniß entstand. Eine Menge kleiner Jntrigucn durchkreuzt diese Bege-benheit. Indessen die Macht der Dinge wird viele Mißhclligkcitcn lösen;Dupin ist. sobald die Kammer wieder ihre Debatten beginnt, der einzig mög-liche Minister des Justc-Milieu; nur er vermag der Opposition parlamentari-schen Widerstand zu leisten, und wahrlich, die Regierung wird genugsam Redestehen müssen.
Bis jetzt ist Ludwig Philipp noch immer sein eigener Premierminister. Die-ses bekundet sich schon dadurch, daß man alle Ncgicrungsaktc ihm selber zu-schreibt, und nicht Herrn Montalivet, von welchem kaum die Rede ist, ja wel-cher nicht einmal gehaßt wird. Merkwürdig ist die Umwandlung, die sich seitder Revolte vom 5. und L. Juni in den Ansichten des Königs gebildet zu habenscheint. Er hält sich ncmlich jetzt für ganz stark; er glaubt auf die große Masseder Nation ganz bestimmt rechnen zu können; er glaubt der Mann der Noth-wcndigkeit zu sein, dem sich, bei ausländischen Anfeindungen, die Nation un-bedingt anschließen werde, und er scheint dcßhalb den Krieg nicht mehr so ängst-lich wie sonst zu fürchten. Die patriotische Partei bildet freilich die Minorität,und diese mißtraut ihm; sie fürchtet mit Recht, daß er gegen die Fremdenminder feindlich gestimmt sei, als gegen die Einheimischen. Jene bedrohennur seine Krone, diese sein Leben. Daß letzteres wirklich geschieht, weiß derKönig. In der That, wenn man berücksichtigt, daß Ludwig Philipp von derblutigsten Böswilligkeit seiner Gegner in tiefster Seele überzeugt ist, so mußman über seine Mäßigung erstaunen. Er hat freilich durch die Erklärung desEtat de Sibge eine unverantwortliche Illegalität sich zu Schulden kommenlassen; aber man kann doch nicht sagen, daß er seine Macht nnwürdigcrweisemißbraucht habe. Er hat vielmehr alle, die ihn persönlich beleidigt hatten,großmüthigst verschont, während er nur diejenigen, die seiner Regierung sichfeindlich entgegengesetzt, niederzuhalten oder zu entwaffnen suchte. Trotz allesMißmuths, den man gegen den König Ludwig Philipp hegen mag, will sichmir doch die Ucberzeugung aufdrängen, als sei der Mensch Ludwig Philippungewöhnlich cdelhcrzig und großsinnig. Seine Hauptlcidcnschast scheint dieBansucht zu sein. Ich war gestern in den Tuillericn; überall wird dort ge-baut, über und unter der Erde; Zimmerwände werden eingerissen, große Kellerwerden ausgegraben, und das ist ein beständiger Klipp-Klapp. Der König,welcher mit seiner ganzen Familie in St. Cloud wohnt, kommt täglich nachParis und betrachtet dann zuerst die Fortschritte der Bauten in den Tuillericn.Diese stehen jetzt fast ganz leer; nur das Ministerkonscil wird dort gehalten.O, wenn alte Blutstropfen sprechen könnten, wie es in den Kindcrmährchengeschieht, so würde man dort manchmal guten Rath vernehmen; denn in jedemZimmer dieses tragischen Hauses ist belehrendes Blut geflossen.