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nicht Alles die Furcht vermag, wenn sie sich in den Herzen der Gewalthaberbarrikadirt hat und sich rings von Tod und Spott cernirt sieht. Die Hand-lungen eines Furchtsamen, wie die eines Gcnie's, liegen außerhalb aller Be-rechnung. Indessen, das höhere Publikum fühlt hier, daß der außcrgesehlichcZustand, worein man es verseht, nur eine Formel ist. Wo die Geseke imBewußtsein des Volks leben, kann die Negierung sie nicht durch eine plötzlicheOrdonnanz vernichten. Man ist hier cko iaato seines Leibes »nd seines Eigen-thums immer noch sicherer als im übrigen Europa, mit Ausnahme Englandsund Hollands. Obgleich Kriegsgerichte instituirt sind, herrscht hier noch im-mer mehr faktische Prcßfreihcit, und die Journalisten schreiben hier über dieMaßregeln der Negierung noch immer viel freier, als in manchen Staatendes Kontinents, wo die Prcßfreihcit durch papierne Gesehe sanktionirt ist.
Da die Post heute, Sonntag, schon diesen Mittag abgeht, kann ich überheute nichts mitthcileu. Auf die Journale muß ich blos verweisen. Ihr Tonist weit wichtiger als das, was sie sagen. Ucbrigens sind sie gewiß wieder vollvon Lügen. — Seit frühestem Morgen wird unaufhörlich getrommelt. Esist heute große Revue. Mein Bedienter sagt mir, daß die Boulevards, über-haupt die ganze Strecke von der Barribrc du Tronc bis an die Barribre deI'Etoile, mit Linientruppen und Nationalgardcu bedeckt sind. Ludwig Phi-lipp, der Vater des Vaterlandes, der Besiegcr der Catilinas vom ö. Junius,Cicero zu Pferde, der Feind der Guillotine und des Papiergeldes, der Erhal-ter des Lebens und der Boutiquen, der Bürgcrköuig wird sich in einigenStunden seinem Volke zeigen; ein lautes Lebehoch wird ihn begrüßen; erwird sehr gerührt sein; er wird Vielen die Hand drücken, und die Polizeiwird es an besonderen Sichcrhcitömaßregeln und an Ertra-Enthusiasmusnicht fehlen lassen.
Paris, den 11. Juni.
Ein wunderschönes Wetter begünstigte die gestrige Heerschau. Auf denBoulevards, von der Barribre du Tronc bis zur Barridre de l'Etoile standenvielleicht Nationalgarden und Linientruppen, und eine unzählige
Menge von Zuschauern war auf den Beinen oder an den Fenstern, neugierigerwartend, wie der König aussehen und das Volk ihn empfangen werde, nachso außerordentlichen Ereignissen. Um Ein Uhr gelangten Sc. Majestät mitIhrem Gcneralstab in die Nähe der Portc-Saint-Denis, wo ich auf einerumgestürzten Therme stand, um genauer beobachten zu können. Der Königritt nicht in der Mitte, sondern an der rechten Seite, wo Nationalgardcustanden, und den ganzen Weg cutlang lag er seitwärts vom Pferde herab-gcbengt, um überall den Nationalgardcu die Hand zu drücken; als er zwei