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dauerte das Schießen. Der Kanonendonner findet jetzt in meinem Herzenden kummervollsten Widerhall. Es ist eine unglückselige Begebenheit, die nochunglückseligere Folgen haben wird.
Paris, den 7. Juni.
Als ich gestern nach der Börse ging, um meinen Brief in den Postkasten zuwerfen, stand das ganze Spekulantenvolk unter den Kolonnen, vor der breitenBörscntreppe. Da eben die Nachricht anlangte, daß die Niederlage der Pa-trioten gewiß sei, zog sich die süßeste Zufriedenheit über sämmtlichc Gesichter;man konnte sagen, die ganze Börse lächelte. Unter Kanonendonner gingendie Fonds um zehn Sous in die Hohe. Man schoß nämlich noch bis fünfUhr; um 6 Uhr war der ganze Revolntionsversuch unterdrückt. Die Jour-nale konnten also darüber schon heute so viel Belehrung mittheilcn, als ihnenrathsam schien. Der Constitutionncl und die Dcbats scheinen die Hauptzugcder Ereignisse einigermaßen richtig getroffen zu haben. Nur das Koloritund der Maßstab ist falsch. Ich komme eben von dem Schauplatze des gestri-gen Kampfes, wo ich mich überzeugt habe, wie schwer es wäre, die ganze Wahr-heit zu ermitteln. Dieser Schauplatz ist nämlich eine der größten und volk-reichsten Straßen von Paris, die Rue St. Martin, die an der Pforte diesesNamens auf dem Boulevard beginnt und erst an der Seine, an dem Pont-dc-Notre-Damc, aufhört. An beiden Enden der Straße hörte ich die An-zahl der „Patrioten," oder wie sie heute heißen, der „Rebellen," die sich dortgeschlagen, auf fünfhundert bis tausend angeben; jedoch, gegen die Mitte derStraße ward diese Angabc immer kleiner, und schmolz endlich bis auf fünfzig.Was ist Wahrheit! sagt Pontius Pilatus.
Die Anzahl der Linicutruppcn ist leichter zu ermitteln; es sollen gestern(selbst dem Journal des Debats zufolge) 10,OVO Mann schlagfertig in Parisgestanden haben. Rechnet man dazu wenigstens 20,000 Nationalgarden, soschlug sich jene Handvoll Menschen gegen 60,000 Mann. Einstimmig wirdder Hcldcnmuth dieser Tollkühnen gerühmt; sie sollen Wunder der Tapferkeitvollbracht haben. Sie riefen beständig: Vi?« In Ilepubliqus! und sie fandenkein Echo in der Brust des Volks. Hätten sie, statt dessen: Viva Napoleon!gerufen, so würde, wie man heute in allen Volksgruppen behauptet, die Linieschwerlich auf sie geschossen haben, und die große Menge der Ouvriers wäreihnen zu Hülfe gekommen. Aber sie verschmähten die Lüge. Es waren diereinsten, jedoch keineswegs die klügsten Freunde der Freiheit. Und doch istman heute albern genug, sie des Einverständnisses mit den Karlisten zu be-schuldigen ! Wahrlich, wer so todesmuthig für den heiligen Jrrthum seinesHerzens stirbt, für den schönen Wahn einer identischen Zukunft, der verbindet