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als Zeugniß, daß viele tausend Menschen, die wir gar nicht kennen, bereitstehen für die heilige Sache der Menschheit ihr Leben zu opfern. Die Des-poten aber müssen von heimlichem Grauen erfaßt werden, bei dem Gedanken,daß sie eine solche, unbekannte Schaar von Todessiichtigcn immer umringtgleich den vermummten Dienern einer heiligen Lehme. Mit Recht fürchtensie Frankreich, die rothc Erde der Freiheit!
Es ist ein Jrrthnm, wenn man etwa glaubt, daß die Helden der Nüc-Saint-Martin zu den unteren VolkSklasscn gehört, oder gar zum Pöbel, wieman sich ausdrückt; nein, es waren meistens Studenten, schöne Jünglinge,von der Ecole-d'Alfort, Künstler, Journalisten, überhaupt Strebende, dar-unter auch einige OuvrierS, die unter der groben Jacke sehr feine Herzentrugen. Bei dem Kloster Saint-Merh scheinen nur junge Menschen gcfoch-tcn zu haben; an andern Orten kämpften auch alte Leute. Unter den Ge-fangenen, die ich durch die Stadt führen sehen, befanden sich auch Greise, undbesonders auffallend war mir die Miene eines alte» Mannes, der, nebst eini-gen Schülern der Ecolc-Polptcchniguc nach der Conzibrgeric gebracht wurde.Letztere gingen gebeugten Hauptes, düster und wüst, das Gcmllth zerrissen,wie ihre Kleider; der Alte hingegen ging zwar ärmlich und altfränkisch, abersorgfältig angezogen, mit abgeschabt strohgelbem Frack, und dito Weste undHose, zugeschnitten nach der neuesten Mode von 1793, mit einem großen drei-eckigen Hut auf dem alten gepuderten Köpfchen, und das Gesicht so sorglos,so vergnügt fast, als gings zu einer Hochzeit; eine alte Frau lief hinter ihmdrein, in der Hand einen Regenschirm, den sie ihm nachzubringen schien, undin jeder Falte ihres Gesichtes eine Todesangst, wie man sie wohl empfindenkann, wenn es heißt, irgend einer unserer Lieben soll vor ein Kriegsgerichtgestellt und binnen 24 Stunden erschossen werden. Ich kann das Gesichtjenes alten Mannes gar nicht vergessen. Auf der Morgue sah ich den8. Junius ebenfalls einen alten Mann, der mit Wunden bedeckt war, und,wie ein neben mir flehender Nationalgarde mir versichert, ebenfalls als Re-publikaner sehr kompromittirt sei. Er lag aber auf den Bänke» der Morgne.Letztere ist nämlich ein Gebäude, wo man die Leichen, die man auf der Straßeoder in der Seine findet, hinbringt und ausstellt, und wo man also die An-gehörigen, die man vermißt, aufzusuchen pflegt.
An oben erwähntem Tage, den 8. Juni, begaben sich so viele Menschennach der Morgue, daß man dort Qncne machen mußte, wie vor der großenOper, wenn Robert-lc-Diable gegeben wird. Ich mußte dort fast eineStunde lang warten bis ich Einlaß fand, und hatte Zeit genug, jenes trüb-sinnige Haus, das vielmehr einem großen Stcinklumpen gleicht, ausführlichzu betrachten. Ich weiß nicht was es bedeutet, daß eine gelbe Holzschcikc mitblauem Mittelgrund, wie eine große brasilianische Kokarde, vor dem Eingang