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Es war ei» Augenblick, der wenigstens das Gcmüth gewaltsam aufregte unddie gewöhnliche Wcrkcltagsstimmung und alle kleinen Besorgnisse und Be-dcnklichkeiten daraus verscheuchte. Schon auf den ruhigen Zuschauer mußtedieser Leichenzug einen großen Eindruck machen, sowohl durch die Zahl derLeidtragenden, die über hunderttausend betrug, als auch durch den duukclmn-thigen Geist, der sich in ihren Mienen und Gebährden aussprach. Erhebendund doch zugleich beängstigend wirkte besonders der Anblick der Jugend allerhohen Schulen von Paris, der Amis du Pcuple, und so vieler anderer Re-publikaner aus allen Ständen, die, mit furchtbarem Jubel die Lust erfüllend,gleich Bachanten der Freiheit, vorüberzogen, in den Händen belaubte Stäbe,die sie als ihre Thprsen schwangen, grüne Weidcnkränzc um die kleinen Hüte,die Tracht brüderlich einfach, die Augen wie trunken von Thatcnlust, Halsund Wangen rothflammcnd — ach! auf manchem dieser Gesichter bemerkteich auch den melancholischen Schatten eines nahen Todes, wie er jungenHelden sehr leicht gcweissagt werden kann. Wer diese Jünglinge sah in ihremübermüthigen Frciheitsrausch, der fühlte wohl, daß viele derselben nicht langeleben würden. Es war auch ein trübes Vorbedeutniß daß der SiegeSwagcn,dem jene bacchantische Jugend nachjubeltc, keinen lebenden, sondern eine»todtcn Triumphator trug.
Unglückseliger Lamarquc! wie viel Blut hat deine Leichenfeier gekostet!Und es waren nicht gezwungene oder gedungene Gladiatoren, die sich nicder-mcheltcn, um ein eitel Trancrgcpränge durch Kampfspicl zu erhöhen. Eswar die blühend begeisterte Jugend die ihr Blut hingab für die heiligsten Ge-fühle, für den großmüthigsten Traum ihrer Seele. Es war das beste BlutFrankreichs, welches in der RUe-Saint-Martin geflossen, und ich glaube nicht,daß man bei den Thermopyleu tapferer gefachten, als am Eingänge der Gäß-chcn Saint Mcry und Aubry-dcs-Bouchers, wo sich endlich eine Hand vollvon einigen Sechzig Republikanern gegen gl),UM Linicntruppcn und Natio-nalgarden verthcidigtcn und sie zweimal zurückschlugen. Die alten Soldatendes Napoleon, welche sich auf Waffenthatcn so gut verstehen wie wir etwa aufchristliche Dogmatil, Vermittlung der Extreme, oder Kunstleistuugen einerMimin, hehauptcn, daß der Kamps aus der Nüc--Saint - Martin zuden größten Hcldenthaten der neueren Geschichte gehört. Die Republi-kaner thaten Wunder der Tapferkeit, und die wenigen, die am Leben blieben,baten keineswegs um Schonung. Dieses bestätigen alle meine Nachforschun-gen, die ich, wie mein Amt es erheischt, gewissenhaft angestellt. Sie wurdengrößteuthcils mit den Bayoncttcn erstochen von den Nationalgardisten. EinigeRepublikaner traten, als aller Widerstand vergebens war, mit entblößterBrust ihren Feinden entgegen und ließen sich erschießen. Als das Eckhausvcr Rüe-Saint-Mery eingenommen wurde, stieg ein Schüler der Ekolc
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