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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Bci solchen Ungläubigen wurzelt das Königthum nur noch in den kleinenBedürfnissen der Eitelkeit, eine größere Gewalt aber treibt sie wider ihrenWillen zur Republik. Diese Menschen, deren Bedürfnissen von Auszeich-nung und Prunk nur die monarchische Ncgicrungsform entspricht, sind den-noch, durch die Unvereinbarkeit ihres Wesens mit den Bedingnissen des Ro-palismus, zur Republik verdammt. Die Deutschen aber sind noch nicht indiesem Falle, der Glaube an Autoritäten ist noch nicht bci ihnen erloschen,und nichts Wesentliches drängt sie zur republikanischen Regierungsform. Siesind dem Ropalismus nicht entwachsen, die Ehrfurcht vor den Fürsten ist beiihnen nicht gewaltsam gestört, sie haben nicht das Unglück eines 21. Januariierlebt, sie glauben noch an Personen, sie glauben an Autoritäten, an einehohe Obrigkeit, an die Polizei, an die heilige Dreifaltigkeit, an die HallescheLitcraturzcitung, an Löschpapier und Packpapier, am meisten aber an Perga-ment. Armer Wirth! du hast die Rechnung ohne die Gäste gemacht!

Der Schriftsteller, welcher eine sociale Revolution bewirken will, darf im-merhin seiner Zpit um ein Jahrhundert vorauseilen z der Tribun hingegen,welcher eine politische Revolution beabsichtigt, darf sich nicht allzuweit von denMassen entfernen. Ucbcrhaupt, in der Politik, wie im Leben, muß man nurdas Erreichbare wünsche».

Wenn ich oben von dem Rcpublikanismns der Franzosen sprach, so hatteich, wie schon erwähnt, mehr die unwillkuhrliche Richtung als den ausgespro-chenen Willen des Volks im Sinne. Wie wenig, für den Augenblick, derausgesprochene Wille des Volks den Republikanern gunstig ist, hat sich den 5.und K. Junius kund gegeben. Ich habe über diese denkwürdigen Tage schonhinlänglich kummervolle Berichte mitgcthcilt, als daß ich mich einer ausführ-lichen Besprechung derselben nicht überheben dürfte. Auch sind die Aktendarüber noch nicht geschlossen, und vielleicht geben uns die kriegsgerichtlichenVerhöre mehr Aufschluß über jene Tage als wir bisher zu erlangen ver-mochten. Noch kennt man nicht die eigentlichen Anfänge des Streites, nochviel weniger die Zahl der Kämpfer. Die Philippisten sind dabei intcressirt,die Sache als eine lang vorbereitete Verschwörung darzustellen und die Zahlihrer Feinde zu übertreiben. Dadurch entschuldigen sie die jcßigen Gewalt-maßrcgeln der Regierung und gewinnen dadurch den Ruhm einer großenKriegsthat. Die Opposition hingegen behauptet, daß bci jenem Aufruhrnicht die mindeste Vorbereitung statt gefunden, daß die Republikaner ganzohne Führer und ihre Zahl ganz gering gewesen. Dieses scheint die Wahrheitzu sein. Jedenfalls ist es jedoch für die Opposition ein großes Mißgeschick,daß während sie in Corpore versammelt war und gleichsam in Reih und Gliedstand, jener mißlungene Rcvolutionsvcrsuch statt gefunden. Hat aber dieOpposition hierdurch an Ansehen verloren, so hat die Regierung dessen noch