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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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seinen eigenen Namen verschweigt, charakterisirt ihn am meisten. Ja, seitdemich die französischen Republikaner, sowohl in Schriften als im Leben studiere,erkenne ich überall, als charakteristische Zeichen, jenes Mißtrauen gegen diePerson, jenen Haß gegen die Autorität eines Namens. Es ist nicht kleinlicheGlcichheitssucht, wcßhalb jene Menschen die großen Namen hassen, nein, siefürchten, daß die Träger solcher Namen ihn gegen die Freiheit mißbrauchenmöchten, oder vielleicht durch Schwäche und Nachgiebigkeit ihren Namen zumSchaden der Freiheit mißbrauchen lassen. Deßhalb wurden in der Revolu-tionszeit so viele große populairc Frciheits-Männer hingerichtet, eben weil man,in gefährlichen Zuständen, einen schädlichen Einfluß ihrer Autorität befürch-tete. Deßhalb höre ich noch jetzt aus manchem Munde die republikanischeLehre: daß man alle liberalen Reputationen zu Grunde richten müsse, denndiese übten, im entscheidenden Augenblick, den schädlichsten Einfluß, wie manes zuletzt beim Lasaycttc gesehen, dem mandie beste Republik" verdanke.

Vielleicht habe ich hier beiläufig die Ursache angedeutet, wcßhalb jetzt so weniggroße Reputationen in Frankreich hervorragen; sie sind zum größten Thcilschon zu Grunde gerichtet. Von den allerhöchsten Personen bis zu den allcr-nicdrigstcn giebt es hier keine Autoritäten mehr. Von Ludwig Philipp I. biszu Alexander, kllrek ckes alaczueurs, vom großen Tallcyrand bis zu Vidogue,von Gaspar Debiircau, dem berühmten Picrrot des Fünembülcn-Thcatcrs,bis hinab auf Hyazinth de Ouclcn, Erzbischof von Paris, von MonsieurStaub, maitre tailleur, bis zu De-la-Martinc, dem frommen Böcklcin, vonGuizot bis Paul de Kock, von Cherubim bis Biffi, von Rossini bis zum klein-sten Maulaffikeiner, von welchem Gewerbe er auch sei, hat hier ein unbestrit-tenes Ansehen. Aber nicht blos der Glaube an Personen ist hier vernichtet,sondern auch der Glaube an alles was existirt. Ja, in den meisten Fällenzweifelt man nicht einmal; denn der Zweifel selbst setzt ja einen Glauben vor-aus. Es giebt hier keine Atheisten; man hat für den lieben Gott nicht einmalso viel Achtung übrig, daß man sich die Mühe gäbe, ihn zu läugncn. Diealte Religion ist gründlich todt, sie ist bereits in Verwesung übergegangen,dieMehrheit der Franzosen" will von diesem Leichnam nichts mehr wissen undhält das Schnupftuch vor der Nase, wenn vom Catholizismus die Rede ist.Die alte Moral ist ebenfalls todt, oder vielmehr sie ist nur noch ein Gespenst,das nicht cimnal des Nachts erscheint. Wahrlich, wenn ich dieses Volk be-trachte, wie es zuweilen hervorstürmt, und auf dem Tische, den man Altarnennt, die heiligen Puppen zerschlägt, und von dem Stuhl, den man Thronnennt, den rothen Sammct abreißt, und neues Brod und neue Spiele ver-langt, und seine Lust daran hat, aus den eigenen Hcrzwunden das freche Lc-bcnsblut sprudeln zu sehen: dann will es mich bcdünkcn, dieses Volk glaubenicht einmal an den Tod.