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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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zu einer Reihe sclbstständigcr Kunstwerke entnommen Hütte. Ist der Geistdes Buches etwa zu leicht und phantastisch, als daß nicht unter der Hand desKünstlers der bunte Farbcnstaub entflöhe? Ich glaube nicht. Denn derDon Quixote, so leicht und phantastisch er ist, fußt auf derber irdischerWirklichkeit, wie daS ja sein mußte, um ihn z» einem Volksküche zu machen.Ist es etwa, weil hinter den Gestalten, die uns der Dichter vorführt, tiefereIdeen liegen, die der bildende Künstler nicht wiedergeben kann, so daß er nurdie äußere Erscheinung, wie saillant sie auch vielleicht sei, nicht aber den tieferenSinn festhalten und reproduciren könnte? Das ist wahrscheinlich der Grund. Versucht haben sich übrigens viele Künstler an Zeichnungen zum D onQuixote. Was ich von englischen, spanischen und früheren französischenArbeiten dieser Art gesehen habe, war abscheulich. Was deutsche Künstler be-trifft, so muß ich hier an unseren großen Daniel Chodowiecki erin-nern. Er hat eine Reihe Darstellungen zum Don Quixote gezeichnet,die, von Berger in Chodowiecki's Sinn radirt, die Bertu ch'scheUcbersetzung begleiteten. Es sind vortreffliche Sachen darunter. Der falschetheatralisch-conventionelle Begriff, den der Künstler, wie seine übrigen Zeit-genossen, vom spanischen Costume hatte, hat ihm sehr geschadet. Man siehtaber überall, daß Chodowiecki den Don Quixotc vollkommen ver-standen hat. Das hat mich grade bei diesem Kunstler gefreut und war mirum seinetwillen wie des Cervantes wegen lieb. Denn es ist mir immerangenehm, wenn zwei meiner Freunde sich lieben, wie es mich auch stets frcnt,wenn zwei meiner Feinde auf einander losschlagen. Chodowiecki's Zeit,als Periode einer sich erst bildenden Literatur, die der Begeisterung noch be-durfte und Satire ablehnen mußte, war dem Verständniß des Don Quixotceben nicht günstig, und da zeugt es denn für Cervantes, daß seine Ge-stalten damals dennoch verstanden wurden und Anklang fanden, wie es fürChodowiecki zeugt, daß er Gestalten wieDonQuixote und SanchoPausa begriff, er, welcher mehr als vielleicht je ein anderer Künstler dasKind seiner Zeit war, in ihr wurzelte, nur ihr angehörte, von ihr getragen,verstanden und anerkannt wurde.

Von neuesten Darstellungen zum Don Quixote erwähne ich mit Ver-gnügen einige Skizzen.von Decamps, dem originellsten aller lebenden fran-zösischen Maler. Aber nur ein Deutscher kann den D o n Quixote ganzverstehen, und das fühlte ich dieser Tage in erfreutester Seele, als ich an denFenstern eines Bilderladens auf dem Boulevard Montmartre ein Blatt sah,welches den edeln Manchaner in seinem Studierzimmer darstellt und nachAdolf Schröter, einem großen Meister, gezeichnet ist.

Geschrieben zu Paris im Carneval 1837.

Heinrich Heine.