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Gestalt des Ritters von Waldsee und seines Kaspar Larifarieden so gut, wie in der Gestalt von so manchem Schriftsteller und seinemBuchhändler, welcher Letztere die Narrheiten seines Autors wohl einsieht, aberdennoch, um reellen Vorthcil daraus zu ziehen, ihn gctrcusam auf allen seinenidealen Irrfahrten begleitet. Und der Herr Verleger Sancho, wenn erauch manchmal nur Püffe bei diesem Geschäfte gewinnt, bleibt doch immerfett, während der edle Ritter täglich immer mehr und mehr abmagert.
Aber nicht blos unter Männern, sondern auch unter Frauenzimmern habeich öfters die Typen Don Quixote's und seines Schildknappen wiederge-funden. Namentlich erinnereich mich einer schönen Engländerin, einer schwär-merischen Blondine, die mit ihrer Freundin aus einer Londoner Mädchen-pension entsprungen war und die ganze Welt durchziehen wollte, um ein soedles Männerherz zu suchen, wie sie cS in sanften Mondscheinnächten geträumthatte. Die Freundin, eine untersetzte Brünette, hoffte bei dieser Gelegenheit,wenn auch nicht etwas ganz apartes Ideale, doch wenigstens einen Mann vongutem Aussehen zu erbeuten. Ich sehe sie noch, mit ihren licbcsllchtigcn blauenAugen, die schlanke Gestalt, wie sie am Strande von Brighton, weit über dasflutende Meer, nach der französischen Küste hinüber schmachtete . . . IhreFreundin knackte unterdessen Haselnüsse, freute sich dcS süßen Kerns und warfdie Schalen in's Wasser.
Jedoch weder in den Meisterwerken anderer Künstler, noch in der Naturselber finden wir die erwähnten beiden Typen in ihrem Wechselvcrhältnisse sogenau ausgeführt, wie bei Cervantes. Jeder Zug im Charakter und derErscheinung des Einen entspricht hier einem entgegengesetzten und doch ver-wandten Zuge bei dem Andern. Hier hat jede Einzelnheit eine parodistischeBedeutung. Ja sogar zwischen Rozinanten und Sancho's Grau-chen herrscht derselbe ironische Parallclismus, wie zwischen dem Knappenund seinem Ritter, und auch die beiden Thicrc sind gewissermaßen die symbo-lischen Träger derselben Ideen. Wie in ihrer Dcnkungsart, so offenbarenHerr und Diener auch in ihrer Sprache die merkwürdigsten Gegensätze, undhier kann ich nicht umhin, der Schwierigkeiten zu erwähnen, welche der Ucbcr-setzer zu überwinden hatte, der die hausbackene, knorrige, niedrige Sprechartdes guten Sancho in's Deutsche übertrug. Durch seine gehackte, nichtselten unsaubere Sprichwörtlichkcit mahnt der gutc S anch o ganz an denNarren des Königs Salomon, an Marculf, er ebenfalls einem pa-thetischen Idealismus gegenüber das Erfahrungswissen des gemeinen Volksin kurzen Sprüchen vorträgt. Don Quirote hingegen redet die Spracheder Bildung, des höheren Standes, und auch in der Grandezza des wohlge-rllndctcn Pcriodcnbaues rcpräscntirt er den vornehmen Hidalgo. Zuweilenist dieser Pcriodcnbau allzuweit ausgesponncn, und die Sprache des Ritters-
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