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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
355
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Berlin, den 8. Mai 1822.

Ich habe eben meinen Gallarock, schwarzseidcne Hosen und dito Strümpfeangezogen, und melde Ihnen allerfeierlichst!

die hohe Vermählung Ihrer königl. Hoheit der Prinzessin Alexandrincmit Sr. königl. Hoheit dem Erb-Groß-Herzoge von Mecklenburg-Schwerin.

Man trug sich damit hernm, diese Feier solle noch etwas länger aufgescho-ben werden, und wahrhaftig, vorigen Freitag wollte ich selbst nicht recht glau-ben, daß schon am andern Tage die Trauung statt finden werde. Es gingmanchem so. Sonnabcndmorgen war es nicht sehr lebhaft auf der Straße.Aber auf den Gesichtern lag Eilfertigkeit und gchcimnißvollc Erwartung.Herumlaufende Bedienten, Friseure, Schachteln, Putzmacherinnen u. s. w.Ein schöner Tag, nicht sehr schwül; aber die Menschen schwitzten. Gegensechs Uhr begann das Wagcngcrafsel.

Ich bin kein Adeliger, kein hoher Staatsbeamte und kein Officier! folglichbin ich nicht kurfähig und konnte den Vermählungsfeierlichkeitcn auf demSchlosse selbst nicht beiwohnen. Dennoch ging ich nach dem Schloßhof, ummir wenigstens das ganze kurfähige Personal zu beschauen. Ich habe nie soviel prächtige Equipagen beisammen gesehen. Die Bedienten hatten ihrebesten Livreen an, und in ihren schreiend hellfarbigen Röcken und kurzen Hosenmit weißen Strümpfen sahen sie aus wie holländische Tulpen. Mancher vonihnen trug mehr Gold und Silber am Leibe als das ganze Hauspersonal desBürgermeisters von Nordamerika. Aber dem Kutscher des Herzogs vonCumbcrland gebührt der Preis. Wahrlich, diese Blume der Kutscher aufihrem Bocke Paradiren zu sehen, ist schon allein Werth, daß man deshalb nachBerlin rcis't. Was ist Salomo in seiner Königspracht, was ist Harun-al-Raschid in seinem Kalifcnschmuck, ja was ist der Trinmph-Elephant in derOlpmpia gegen die Herrlichkeit dieses Herrlichen? An minder festlichen Tagenimponirt er schon hinlänglich durch seine acht chinesische Porcellanhaftigkeit,durch die pcndnlartigcn Bewegungen seines gepuderten, schwcrbczopften, miteinem dreieckigen Wünschelhütchcn bedeckten Kopfes, und durch die wunder-liche Beweglichkeit seiner Arme beim Pfcrdelenkcn. Aber heute trug er einkarmoisinrothcs Kleid, das halb Frack, halb Ueberrock war, Hosen von der-selben Farbe, alles mit breiten goldncn Tressen besetzt. Sein edles Haupt,kreideweiß gepudert, und mit einem unmenschlich großen schwarzen Haarbeutelgeziert, war von einem schwarzen Sammtkäppchcn mit langem Schirm be-deckt. Ganz auf gleiche Weise waren die vier Bedienten gekleidet, die hinten