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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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C o m ö d i e n.

I» dm einleitende» Blättern dieses Bildcrsaals habe ich berichtet, aus wel-chen Wegen sich die Popularität Shakespcare's in England und Deutschlandverbreitete, und wie hier und dort ein Verständniß seiner Werke befördert ward.Leider konnte ich in Bezug aus romanische Länder keine so erfreuliche Nach-richten mitthcilen: in Spanien ist der Name unseres Dichters bis auf heuti-gen Tag ganz unbekannt geblieben; Italien ignorirt ihn vielleicht absichtlich,um den Ruhm seiner großen Poeten vor transalpinischer Nebenbuhlerschaft zubeschützen; und Frankreich, die Hcimath des herkömmlichen Geschmacks unddes gebildeten Tons, glaubte lange Zeit den großen Britten hinlänglich zuehren, wenn es ihn einen genialen Barbaren nannte, und über seine Rohhcitso wenig als möglich spöttelte. Indessen die politische Rcvoluzion, welche die-ses Land erlebte, hat auch eine literarische hervorgebracht, die vielleicht an Tcr-rorismus die erstere überbietet, und Shakespeare ward bei dieser Gelegenheitaufs Schild gehoben. Freilich, wie in ihren politischen Umwälzungsvcrsuchen,sind die Franzosen selten ganz ehrlich in ihren litcrärischcn Ncvolnzioncnz wiedort, so auch hier, preisen und feiern sie irgend einen Helden, nicht ob seinemwahren inwohnenden Werthe, sondern wegen des momentanen Vortheils denihre Sache durch solche Anpreisung und Feier gewinnen kann; und so geschiehtcd, daß sie heute cmporrühmen, was sie morgen wieder herabwürdigen müssen,und umgekehrt. Shakespeare ist seit zehn Jahren in Frankreich, für dieParthci welche die literarische Rcvoluzion durchkämpft, ein Gegenstand derblindesten Anbetung. Aber, ob er bei diesen Männern der Bewegung einewirkliche gewissenhafte Anerkennung, oder gar ein richtiges Verständniß gefun-den hat, ist die große Frage. Die Franzosen sind zu sehr die Kinder ihrerMütter, sie haben zu sehr die gesellschaftliche Lüge mit der Ammenmilch ein-gesogen, als daß sie dem Dichter, der die Wahrheit der Natur in jedem Worteathmet, sehr viel Geschmack abgewinnen oder gar ihn verstehen könnten. Esherrscht freilich bei ihren Schriftstellern seit einiger Zeit ein unbändiges Stre-ben nach solcher Natürlichkeit; sie reißen sich gleichsam verzweislungsvoll diekonvcnzioncllcn Gewänder vom Leibe, und zeigen sich in der schrecklichstenH-w°, v. M?) 29