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sittlichen, erzprosaischcn und häuslichen Octavia unsere gelbe, ungezügelte,eitle und inbrünstige Aegypten« desto plastischer Heroortritt.
Aber auch jene Tamora ist eine schone Figur, und es dünkt mir eine Un-gerechtigkeit, daß der englische Grabstichel in gegenwärtiger Gallcrie Shakc-speare'schcr Frauen ihr Bildniß nicht eingezeichnet hat. Sic ist ein schönesmajestätisches Weib, eine bezaubernd impcratorische Gestalt, auf der Stirnedas Zeichen der gefallenen Göttlichkeit, in den Augen eine wcltvcrzehrendeWollust, prachtvoll lasterhaft, lechzend nach rothem Blut. Weitblickend milde,wie unser Dichter sich immer zeigt, hat er schon in der ersten Scene, wo Ta-mora erscheint, alle die Greuel, die sie später gegen Titus Andronikus ausübt,im Voraus justifizirt. Denn dieser starre Römer, ungerührt von ihrenschmerzlichsten Mutterbitten, läßt ihren geliebten Sohn gleichsam vor ihrenAugen hinrichten; sobald sie nun, in der werbenden Gunst des jungen Kai-sers, die Hoffnungsstrahlen einer künftigen Rache erblickt, entringein sich ihrenLippen dir jauchzend finstern Worte:
Ich will es ihnen zeigen, was es heißt,
Wenn eine Königin auf den Straßen kniect,
Und Gnad umsonst erfleht.
Wie ihre Grausamkeit entschuldigt wird durch das erduldete Ucbermaß vonQualen, so erscheint die metzenhafte Lüderlichkeit, womit sie sich sogar einemscheußlichen Mohren hingicbt, gewissermaßen veredelt durch die romantischePoesie die sich darin ausspricht. Ja, zu den schauerlich süßesten Zaubcr-gemälden der romantischen Poesie, gehört jene Scene, wo während der Jagddie Kaiserin Tamora ihr Gefolge verlassen hat, und ganz allein: im Waldemit dem geliebten Mohren zusammentrifft.
Warum so traurig, holder Aaron?
Da doch umher so heiter alles scheint.
Die Vögel singen überall im Busch,
Die Schlange liegt im Sonnenstrahl gerollt,
DaS grüne Laub bebt von dem kühlen Hauch,
Und bildet bunte Schatten auf dem Boden.
Im süßen Schatten, Aaron, laß uns sitzen,
Jndcß die Echo schwatzhakt Hunde äfft,
Und wicderhallt der Hörncr hellen Klang,
Als sei die Jagd verdoppelt; — laß uns sitzen.
Und horchen auf das gellende Getöse.
Nach solchem Zweikampf, wie der war, den Dido —
Erzählt man — mit Aeneas einst genoß.
Als glücklich sie ein Sturmwind überfiel,
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