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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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lige Thicrfratzcn lehnen, häßlich bunt bemalt... An der Pforte nickt derHicrogliphen-mützige Jsismönch ... In üppigen Villas halten die Mumienihre Siesta, und die vergoldete Larve schützt sie vor den Flicgcnschwärmcn derVcrwksnng. . . Wie stumme Gedanken stehen dort die schlanken Obeliskenund die plumpen Pyramiden . . . Im Hintergrund grüßen die MondbergcAethiopicns, welche die Quellen des Nils verhüllen. . . Uebcrall Tod,Stein und Geheimniß . . < Und über dieses Land herrschte als Königin dieschöne Cleopatra.

Wie witzig ist Gott!

Lavinia.

(Titus AndronikuS.)

InJulius Cäsar" sehen wir die letzten Zuckungen des republikanischenGeistes, der dem Aufkommen der Monarchie vergebens cntgcgcnkämpst; dieRepublik hat sich überlebt, und Brutus und Cassius können nur den Mannermorden, der zuerst nach der königlichen Krone greift, keineswegs aber ver-mögen sie das Königthum zu tödten, das in den Bedürfnissen der Zeit schontief wurzelt. In Antonius und Cleopatra sehen wir, wie, statt des einengefallenen Casars, drei andre Cäsaren nach der Weltherrschaft die kühnenHände strecken; die Prinzipiensragc ist gelöst und der Kampf, der zwischendiesen Triumviren ausbricht, ist nur eine Pcrsoncnfragc! wer soll Imperatorsein, Herr über alle Menschen und Lande? Die Tragödie, betiteltTitusAndrouikuS," zeigt uns, daß auch diese unbeschränkte Alleinherrschaft imrömischen Reiche dem Gesetze aller irdischen Erscheinungen folgen, nämlich inVerwesung übergehen mußte, und nichts gewährt einen so widerwärtigenAnblick, wie jene spätem Cäsaren, die dem Wahnsinn und dem Verbrechender Neronen und Caligulen, noch die windigste Schwächlichkeit hinzufügten.Diesen, den Neronen und Caligulen, schwindelte auf der Höhe ihrer All-macht; sich erhaben dünkend über alle Menschlichkeit, wurden sie Unmenschen;sich selber für Götter haltend, wurden sie gottlos; ob ihrer Ungeheuerlichkeitaber können wir vor Erstaunen sie kaum mehr nach vernünftigen Maßstabenbeurthcilen. Die späteren Cäsaren hingegen sind weit mehr Gegenständeunseres Mitleids, unseres Unwillens, unseres Ekels; es fehlt ihnen die heid-nische Selbstvergötterung, der Rausch ihrer alleinigen Majestät, ihrer schauer-lichen Unvcrantwortlichkeit... Sie sind christlich zerknirscht, und der schwarzeBeichtiger hat ihnen ins Gewissen geredet, und sie ahnen jetzt, daß sie nurarmselige Würmer sind, daß sie von der Gnade einer höhern Gottheit ab-hängen, und daß sie einst für ihre irdischen Sünden in der Hölle gesotten undgebraten werden.