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Ja, diese Cleopatra ist ein Weib, in der holdseligsten und vermaledeitestenBedeutung des Wortes! Ste erinnert mich an jenen Ausspruch Lessing's:als Gott das Weib schuf, nahm er den Thon zu sein. Die Uebcrzartheit sei-nes Stoffes verträgt sich nun selten mit den Ansprüchen des Lebens. DiesesGeschöpf ist zu gut und zu schlecht für diese Welt. Die lieblichsten Vorzügewerden hier die Ursache der verdrießlichsten Gebrechen. Mit entzückenderWahrheit schildert Shakespeare schon gleich beim Auftreten der Cleopatra denbunten flatterhaften Launengeist, der im Kopfe der schönen Königin beständigrumort, nicht selten in den bedenklichsten Fragen und Gelüsten übersprudelt,und vielleicht eben als der letzte Grund von all' ihrem Thun und Lassen zubetrachten ist. Nichts ist charakteristischer als die fünfte Sceue des erstenAkts, wo sie von ihrer Kammerjungfer verlangt, daß sie ihr Mandragora zutrinken gebe, damit dieser Schlaftrunk ihr die Zeit ausfülle, während Anto-nius entfernt. Daun plagt sie der Teufel ihren Kastraten Mardian zurufen. Er frägt unterthänig, was seine Gebieterin begehre. Singen willich dich nicht hören, antwortet sie, denn nichts gefällt mir jetzt was Eunucheneigen ist — aber sage mir: fühlst du denn Leidenschaft?
Mardian.
Ja, holde Königin!
Cleopatra.
In Wahrheit?
Mardian.
Nicht in Wahrheit;
Denn nichts vermag ich, als was in der WahrheitMit Anstand kann geschehn, und doch empfind'
Ich hest'ge Triebe, denk' auch oft an das.
Was Mars mit Venus that.
Cleopatra.
O Charmian!
Wo glaubst du, ist er jetzt? Steht oder sitzt er?
Geht er umher? besteigt er jetzt sein Roß!
Beglücktes Roß, das seine Last erträgt!
Sei tapfer, Roß! denn, weist du wen du trägst?
Der Erde halben Atlas! Ihn, den Arm,
Den Helm der Menschen! Sprechen wird er oderWird murmeln jetzt: Wo ist nun meine SchlangeDes alten Nils? — Denn also nennt er mich.
Heine. V. 25